Orania: Karneval en Bokkieweek

APRIL ist immer eine besonders ereignisreiche und festliche Zeit. Am 6. April wird der Gründungstag gefeiert, kurz danach, am 7. und 8. April, ist der jährliche Karneval von Orania mit Umzug, Feuerwerk, Kirmes, Musik- und Tanzdarbietungen, Vorführungen, Wettbewerben, Konzert usw. Trotz Regen, was für Orania eher selten ist, war der Karneval gut besucht, auch von Freunden Oranias aus dem ganzen Land. Der diesjährige Umzug stand unter dem Thema “My Afrikanerheld” (mein Burenheld), und auf phantasievoll und humoristisch ausgestatteten Wagen oder durch Auto- Motorrad, Pferde- und Fußgängerzüge wurde dies abgebildet. Die dargestellten Helden reichten von den geschichtlichen Giganten wie Präsident Paul Kruger und General Christiaan de Wet, über Dichter wie Totius und Langenhoven, dem Medizin-Pionier Chris Barnard bis hin zu den Sagenfiguren Wolraad Woltemaden und Rachel de Beer.

Beim diesjährige Festkonzert trat der bekannte Afrikaanse Saenger Jannie Moolman auf und sorgte für gute Stimmung.

Pferdeumzug in traditioneller Burentracht
Pferdeumzug in traditioneller Burentracht
Erinnerung an erste Herztransplantation
Erinnerung an erste Herztransplantation

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gleich in der nächsten Woche war sowohl das Osterfest als auch das Buren- Schulsportturnier “Bokkieweek” wo verschiedene Rugby- (für Jungen)- und Netzballteams (für Mädchen) gegeneinader antraten. Es fand vom 13. bis 17. April statt (mit Ausnahem des Karfreitags und Ostersonntags, wo keine Wettkämpfe stattfanden). Es war für die Jugendlichen auch eine gute Gelegenheit, zwischen den Wettkämpfen Orania, seine Idee und seine gastfreundlichen Einwohner besser kennen zu lernen.

Eines der Rugbyteams mit der gewonnenen Trophäe
Eines der Rugbyteams mit der gewonnenen Trophäe

Pünktlich zur “Bokkieweek” wurden auch neue Netzballplaetze und die Steenbok Herberge, die für die Unterkunft von Sportlern und deren Begleitern gedacht ist, fertig gestellt.

Ein sehr trauriges Ereignis, was leider die Bokkieweek überschattete, war der tragische Tod einer jungen Teilnehmerin in einem Autounfall. Die Gemeinschaft von Orania sprach den Eltern und Angehoerigen ihr tiefes Beileid aus und die Dorflagge wurde auf Halbmast gesetzt.

Orania feiert Gründungstag 1652

Am 6. April 1652 landete Jan van Riebeeck mit 3 Schiffen im Auftrag der Holländischen Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) am Kap der Guten Hoffnung und gründete Kapstadt und damit die erste Europäische Niederlassung in Südafrika, woraus sich später das Volk der Afrikaner (Buren) und der moderne Staat Südafrika entwickelten. Daher wird der Tag unter Buren gefeiert, vor allem in Orania, wo man kultur- und geschichtsbewusst ist. Um die Landung der 3 Schiffe zu gedenken, bauten junge Oraniër ihre eigenen 3 Bote als “Nachbildungen” der Schiffe van Riebeecks, die auf dem Oranje zum Uferpark hinfuhren und die dann beurteilt wurden.

In Orania fällt der Tag auch fast genau auf die Zeit, wo Orania gegründet wurde, nämlich am 13. April 1991 und ist daher ein doppelter Gründungstag. An diesem Tag war die erste Zusammenkunft unter Leitung von Carel Boshoff snr. um Orania an die Ӧffentlichkeit bekannt zu machen und Pioniere anzuwerben, die Grund und Boden kaufen konnten in dem ehemaligen Bauarbeiterdorf des Ministeriums fuer Wasserbau, was Boshoff und seine Unterstützer vorher auf einer Versteigerung erworben hatten.

Eine humoristische “Nachbildung” von Jan van Riebeecks Schiff Dromedaris.
Eine humoristische “Nachbildung” von Jan van Riebeecks Schiff Dromedaris. Orania

Constand Viljoen, Klaus von der Ropp und der Burenstaat

DR. Klaus von der Ropp, ein Deutscher Akademiker im Ruhestand und Schriftsteller, der sich schon sehr lange mit Südafrika und speziell mit der Lage der Buren beschäftigt, und auch ein Freund von Carel Boshoff snr, dem Gründer Oranias und Vorläufer der Volkstaat-Idee war, hatte vor kurzem einen langen, gut fundierten Artikel publiziert. In Afrikaans übersetzt, auf die Oraniablog.

Dieser Artikel, ein fiktiver Brief an seinen verstorbenen Freund Carel Boshoff snr, schildert die Notwendigkeit einer territorialen Selbstbestimmung für die Buren, was bereits in den 1970’ern besprochen wurde und heute dringender als je zuvor ist, mit der prekären Lage der Buren, die sich ständig verschlechtert.

Dieser Artikel wurde an verschiedene einflussreiche Personen und Freunde und Bekannte von von der Ropp geschickt und erreichte unter anderem auch General Constand Viljoen, ehemaliger Chef der Südafrikanischen Streitkräfte und ehemaliger Vorsitzender der Vryheidsfront, die sich auf parlamentarischem Weg für die Selbstbestimmung der Buren einsetzt.

Viljoen sagte in seiner Reaktion, das die Orania Bewegung die Führung bei dem Streben nach Selbstbestimmung nehmen müsse und das eine neue Initiative dafür dringender sei als je zuvor. Die Buren müssten aufs Neue überzeugt werden von Selbstbestimmung als Lösung der heutigen problematischen Umstände von Südafrika. Das ein Deutscher, Dr. von der Ropp, die Debatte wieder in Gang setze, sei sehr zu begrüssen.

Constand Viljoen
Constand Viljoen
von der Ropp, Klaus
von der Ropp, Klaus

Carel Boshoff reagiert auf Jacob Zuma

IM März erschreckte der südafrikansiche Präsident Jacob Zuma seine Landsleute mit einer “Kabinetsumbildung”, die vor allem darauf abzielte, den fähigen und Zuma-kritischen Finanzminister Pravin Gordhan, der für finanzielle Disziplin und gegen Korruption steht und Zuma deswegen ein Dorn im Auge war, durch einen unbedarften Gefolgsmann von Zuma (Malusi Gigaba) zu ersetzen. Dieser Entschluss verursachte Schockwellen im Land und führte sofort zu wirtschaftlichen Konsequenzen, wie ein deutlicher Fall im Wert des Südafrikanischen Rand, der sich gerade erholt hatte, und der Herabstufung des Landes auf Ramschniveau durch die Gradierungsagenturen wie Standard & Poor. Das heißt für Südafrikaner, das alles teurer wird und die Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit weiter zunehmen. Auch einige andere Minister, die nicht loyal genug waren, wurden ersetzt von Zuma-Günstlingen. Ein Misstrauensvotum gegen Zuma wird von der Opposition vorbereitet, aber auch in der Vergangenheit stand der ANC fest hinter Zuma, der bereits einige Skandale verursacht hat.

Carel Boshoff, der Präsident der Orania Bewegung, sagte in seiner Reaktion per Video dass die Buren nur Zuschauer der Südafrikanischen Politik wären und sehr wenig Möglichkeiten hätten, solche Entschlüsse der Regierung zu beeinflussen.

 

Das zeigt allerdings wieder, wie wichtig Selbstbestimung sei, um nicht an Kräfte ausgelieftert zu sein, die die Interessen und Bedürfnisse der Buren weder verstünden noch sich darum schehren. Deshalb müssten die Buren an den Grundlagen von Selbständigkeit arbeiten, nämlich eigene Arbeit, eigene Institutionen und ein eigenes Gebiet, bis hin zu einer eigenen Stadt und sogar einem Volkstaat.

Die Frustration mit Präsident Zuma hat immerhin dazu geführt, das das Interesse an Orania gewaltig gestiegen ist und mehr Buren Mitglieder der Orania Bewegung geworden sind. Die Facebookgruppe “Orania” ist besonders aktiv und hat schon 60 000 Unterstützer (von dene allerdings die meisten noch nicht Mitglieder der Orania Bewegung sind).

Orania Facebook

 

Werbungskampagne der Orania Bewegung / Jacob Zuma (“Wir lassen uns nicht von korrupten Politikern als Geiseln nehmen”)
Werbungskampagne der Orania Bewegung / Jacob Zuma (“Wir lassen uns nicht von korrupten Politikern als Geiseln nehmen”)

Besuch an Thembelihle

ORANIA’s Repräsentativer Rat mit dem Vorsitzenden Carel Boshoff (vorne 2. von links) trifft den Gemeinderat von Thembelihle mit Bürgermeisterin Brenda Mpamba (vorne links).

Der Orania Repräsentative Rat (Orania Verteenwoordigende Raad, OVR) hat vor kurzem den neuen Rat und die neue Bürgermeisterin von Thembelihle (Hopetown und Strydenburg), Brenda Mpamba besucht. Thembelihle ist die Nachbargemeinde von Orania mit dem Hauptort Hopetown, etwa 40 Kilometer entfernt. Der Besuch war geprägt von Herzlichkeit und gegenseitigem Respekt. Carel Boshoff, der Vorsitzende des OVR, sagte, das Orania sehr gelegen ist an einem guten Verhältnis mit seiner Nachbargemeinde und das es einige Bereiche für Zusammenarbeit gibt. Allerdings muss Orania als Selbständige Afrikanergemeinschaft überall anerkannt werden.  Bürgermeisterin Mpamba sagte, das Orania in vielerlei Hinsicht ein Vorbild sei und das Thembelihle einiges dort lernen könnte über gutes Management und Wachstum.

Im Jahr 2000 hatte die ANC-Regierung probiert, Orania gegen seinen Willen bei Thembelihle einzugemeinden, wogegen die Gemeinschaft von Orania sich wehrte und schliesslich ein Gerichtsurteil zu seinen Gunsten bekam und seither als selbständige Gemeinschaft fortbesteht, mit einem Status der noch in der Zukunft verhandelt werden muss. Die gute und freundliche Gesinnung der Bürgermeisterin und des Gemeinderates lassen Orania auf gute Nachbarschaft und Zusammenarbeit hoffen. Es ist wichtig, das Orania sein Streben in Frieden und mit gegenseitigem Respekt ausleben kann. Orania trägt sämtliche finanziellen Ausgaben aus eigenen Quellen, wogegen alle Südafrikansichen Gemeinden stark auf staatliche Zuwendungen angewiesen sind und nicht mal mehr ihre Stromrechnungen bezahlen können.

 

 

Kampus-Projekt

IN Orania gibt es mittlerweile 3 tertiäre Bildungsinstitutionen: die technische Berufschule, die Friseur-Ausbildung und die technische Akademie. Studenten und Lehrlinge sollen sich wie Studenten auf einem Universitätskampus mit lebendigem und vielseitigem Studentenleben fühlen können. Studierende sollen eine Studentenkarte mit Vergünstigungen bekommen und die Orania Bewegung wird kulturelle, soziale und Sportzusammenkünfte organisieren. Es existieren bereits einige Aktivitäten die Studierenden zusagen, wie eine Cantusgilde (eine Art Burschenschaft, aber informeller), Volkspele (Afrikaanse Volkstänze mit Gesang), Theater- und Filmvorführungen und gesellige Abende mit Musikdarbietungen. Das Kampusprojekt wird von James Kemp von der Orania Bewegung koordiniert.

James Kemp, Koordinator des Kampusprojekt, spricht über die Pläne für einen Orania Kampus.

Infrastruktur-Ausbreitung

ORANIA wuchs im letzten Jahr mit 11%, von 1150 auf 1300 Einwohner. Das Bevölkerungswachstum könnte noch höher sein, wenn ausreichend Wohnraum zur Verfügung stehen würde. Dieses Jahr wird die Entwicklung noch schneller voranschreiten. Schon im Jahr 2015 wurden die Weichen gestellt für den Ausbau der Infrastruktur durch die Erhöhung der Stromkapazität und der Anstellung neuen technischen und adminstrativen Personals. Vor kurzem wurde auch die Strasse von Orania in den Vorort Kleingeluk neu geteert, wohlgemerkt ohne staatliche Unterstützung, wie alles in Orania. Gerade in Kleingeluk sind zur Zeit grosse Neubauprojekte in Arbeit. Soetdoring und Olienhout, zwei soziale Wohnungsbauprojekte, sind fertiggestellt bzw. erweitert worden. Mit dem Bau der ersten 19 Wohneinheiten eines Wohnprojektes wird gerade begonnen. Am Ende sollen 119 Wohnungen Teil des Komplexes sein. Diese werden vor allem benötigt für Lehrlinge der vor kurzem fertiggestellten Berufsschule.

Bei den Sportanlagen wird gerade noch ein Komplex gebaut für die Unterbringung von Besuchern und Teilnehmern von Schul-Sportereignissen, die zunemend in Orania ausgetragen werden. In Ferienzeiten platzt Orania aus seinen Nähten und dieser Komplex kann auch für Besucher benutzt werden.

Die neuen Unterkünfte bei Orania’s Sportanlagen.