Deutscher Infobrief der Orania Bewegung. Ende April 2018

 

Südafrika: Frustration, Gewalt und Streiks.

Wir würden gerne mal zur Abwechslung gute Nachrichten aus Südafrika (ausserhalb Oranias) bringen, aber leider ist dies Mangelware. Mit der Wahl Cyril Ramaphosas zum Präsidenten verbaden sich, zugegebenermassen unrealistische, Hoffnungen, Südafrika würde wieder eine Phase von wirtschaftlichem Aufschwung, relativer Stabilität und sinkender Kriminalität betreten. Es sieht allerdings danach aus als ob die verschiedenen Interessengruppen, für Aussenstehende schwierig durchschaubar, weiter um die die Macht kämpfen und als ob keinesfalls alle im ANC Ramaphosas Führung akzeptieren. Ramaphosa weilte gerade in Staatsmannspose in Gross-Brittannien bei der Konferenz des britischen Commonwealth um dort, getarnt als Freund der Investoren, Gelder für Suedafrika zu erwerben. Er musste allerdings seine Reise abbrechen und nach Südafrika zurückeilen, wegen Aufständen in der Provinz Nordwest (vormals Western Transvaal) mit der Hauptstadt Mahekeng (vormals Mafikeng).

Dort wütet ein Konflikt zwischen Gegnern und Anhängern von Premier (Ministerpräsident) Supra Mahumapelo. Mahumapelo wird von Korruption und schlechtem regieren beschuldigt (zu Recht, obwohl dies von sehr vielen Politikern gesagte werden kann) und auf Gemeindeebene funktioniert fast nichts mehr und es fehlt an allem. Es spielt auch eine Rolle, das Mahumapelo ein Gefolgsmann von Ex-Präsident Zuma ist, gegen den gerade diverse Anklagen vorbereitet werden.

Strassen wurden blockiert, Autos angezündet, Ämter zerstört, Geschäfte geplündert, und wie immer gab es viele, die ohne bestimmte politische Ziele einfach mitmachten, weil es was zu plündern gab und um Frustration herauszulassen. Am schlimmsten war die Situation in Mahekeng, aber in fast allen Orten von Nordwest brannte es irgendwo. Dabei ging es aber oft nicht um Mahumapelo, sondern um örtliche Angelegenheiten, was so gut wie immer heisst das arme Einwohner wütend sind, das sie die versprochenen Dienstleistungen nicht erhalten und das die Infrastruktur wegen jahrelanger Vernachlässigung zusammenbricht. Die radikale Partei EFF (Economic Freedom Fighters) mischte wahrscheinlich auch mit, denn in dieser Provinz, die vor allem vom Platinabbau lebt und viele Minenarbeiter hat, ist sie stark.

Die Situation in Nordwest hatte sich noch nicht beruhigt, da rief der Gewerkschafts-Dachverband SAFTU (South African Federation of Trade Unions) zum landesweiten Generalstreik auf, was am 25. April stattfand. SAFTU streikte gegen (durchaus nötige und sinnvolle) Änderungen an der Arbeitsgesetzgebung, die nach ihrer Meinung nicht gewerkschaftsfreundlich genug ist. Es ging allerdings auch darum, SAFTU, einen relativ neuen Dachverband, als bessere Alternative zum alteingesessenen Verband COSATU (Congress of South African Trade Unions), der eng mit dem ANC verbunden ist, darzustellen. In wieweit auch hier die ANC/EFF Rivalität eine Rolle spielte war nicht ersichtlich, ist aber auch ein möglicher Faktor. Der Generalstreik betraf vor allem die grossen Städte und diente als Machtdemonstration. Grosse Sachschäden blieben allerdings aus.

 

Orania: Ausserordentlicher Bürgerrat zum Thema Enteignung ohne Entschädigung

Das Thema in aller Munde ist die entschädigungslose Enteignung. Dies soll eine Grundgesetztänderung nach August möglich machen. Die Orania Bewegung wird oft gefragt, wie dies Orania beeinflussen wird und deshalb fand am 21. April eine ausserordentliche Bügerratssitzung zu diesem Thema statt.

Carel Boshoff, Präsident der Orania Bewegung, hielt die einleitende Rede und sagte unter anderem, das der Parlamentsantrag vom 27. Februar nicht nur wirtschaftliche Folgen habe, sondern das eine überwaeltigende Mehrheit der Parlamentarier verschiedener Parteien damit zum Ausdruck brachten, das die Afrikaaner (Buren) als Bodendiebe und Kolonialisten abgestempelt werden, die nur geduldet werden. Das ist sehr unterschiedlich von der ursprünglichen Mandela-Versöhnungsbotschaft, das alle Einwohner des Landes gleichberechtigte Südafrikaner seien.

Es gab Gelegenheit für zahlreiche Beiträge der anwesenden Bürgerratsmitglieder, wobei vor allem Flip Buys, Vorsitzender der Solidariteit Bewegung, wichtige Impulse gab. Jaco Kleynhans, Geschäftsführer der Orania Bewegung, informierte über bereits bestehende Kontakte mit Unterstützern im Ausland. Am Ende wurden 9 Zielsetzungen erstellt, für die die Orania Bewegung sich starker engagieren wird:

1. Erhöhte Sichtbarheit unter Afrikaanern.
2. Ein Vertrag zur besseren Zusammenarbeit mit Solidariteit Bewegung.
3. Projekte um noch mehr Unterstützung und Verständnis aus dem Ausland zu erreichen.
4. Konferenzen mit anderen südafrikanischen Organisationen über Selbstbestimmung und Gemeinschaftsentwicklung.
5. Das Orania-Ideal in der Region besser bekannt zu machen.
6. Eine Präsentation mit der Sichtweise von Orania an das Parlamentskommitee was die geplante Änderung des Grundgesetzes zur entschädigungslosen Enteignung untersucht.
7. Weiterentwicklung und Ausbau der Arbeitskultur unter Afrikaanern im allgememeinen und Oraniern im besonderen.
8. Kontakt (Liaison) mit Regierungsinstanzen auf verschiedenen Ebenen.
9. Weiterentwicklung der Orania-Idee und bessere Kommunikation mit vor allem neuen Einwohnern innerhalb Oranias.

Stigtingsdag (Gründungstag)

Am 6. April 1652 kam Jan van Riebeek im Auftrag der Niederländischen Verenigten Ost-Indischen Kompanie (VOC) am Kap der Guten Hoffnung an um eine Versorgungsstation für die Schiffe, die auf dem Weg nach Batavia (heute Indonesien) waren, zu gründen. Daraus entwickelte sich später eine permanente Kolonie, die sich schnell ins Innland vorschob und wo aus Niederländern, Deutschen, protestantischen Franzosen und anderen Europäern sich das Volk der Buren (Afrikaaner) entwickelte, des einzigen wirklich einheimischen weissen Volkes in Afrika.

Dieser Tag wird daher auch in Orania gefeiert, sogar mit doppelter Bedeutung: einmal die Gründung der Kapkolonie, die das Burenvolk oder Afrikaanervolk hervorbrachte, aber auch die Gründung von Orania Jahrhunderte später, nämlich am 13. April 1991. Beides waren Gründungstaten, eine zum (unbeabsichtigten) Entstehen und eine zum Fortbestehen des Afrikaanervolkes. Wegen der Nähe der Tage werden am 6. April beide Ereignisse gefeiert. Der Christliche Glaube war in beiden Fällen wesentlich, und auch der Wille zur Zivilisation unter widrigen Umständen.

An diesem Tag ziehen viele Oranier etwas in orange an, oder traditionelle Tracht. Es findet auch immer eine kulturelle Veranstaltung statt. Dieses Jahr wurde eine Aufführung zu Ehren des Dichters und Liedermachers Jan Pohl, der in Orania begraben ist, mit Darbietungen aus seinem Repertoire im Gemeinschaftssaal abgehalten. Jan Pohl ist zufällig auch am 6. April geboren. Kobus Saayman, ein Schauspieler, gab Lieder, Gedichte und Musikstücke von Jan Pohl zum besten. Seine Witwe, Johanna, erzählte Anekdoten aus seinem Leben. Die Zuschauer hielten während der kurzweiligen Darbietung Picknick im Familien- und Freundeskreis ab.

Grundsteinlegung für Bo-Karoo Studentenwohnheim

Verschiedene Grossprojekte sind in Orania im Bau. Vor kurzem wurde der Grundstein zum ersten Studentenwohnheim des Bo-Karoo Ausbildungszentrums gelegt. Dies ist ein Meilenstein für Ausbildung in Afrikaans (vor kurzem wude auch die letzte Afrikaanse Universität, Potchefstroom, auf Englisch umgestellt). Wohnraum ist immer ein Problem in Orania wegen des starken Zuzugs, und mit dem Wohnheim wird dieses Problem nun angegangen. Es ist kein reines Wohnheim, sondern hat im Erdgeschoss eine Poststelle, ein Schiedsamt und Geschäfte.

Bokkieweek und Boerspitus. Eine herrliche Gelegenheit für junge Afrikaaner, Orania besser kennen zu lernen.

Über das Osterwochenende wurde zum dritten Mal die “Bokkieweek” angeboten, ein 5 Tage langes Sportereignis von Schülern aus ganz Südafrika, wo Rugby- und Korbballwettbewerbe zwischen verschiedenen provinzialen Teams stattfinden. Sportliches Talent wird dabei von Trainern erkannt für eine zukünftige professionelle Sportlaufbahn. Da wegen der Quotenregelung nach Rassenzugehörigkeit im Schulsport gegen weisse Schüler diskriminiert wird und viele talentierte junge Menschen wegen der falschen Hautfarbe nicht für die Teams ausgewählt werden, bietet die Bokkieweek eine Alternative.

Neben dem Sport wurden die jungen Leute auch mit Orania vertraut gemacht und es gab jede Menge Spass und Entspannung, etwa ein Musikkonzert mit dem bekannten Sänger Pieter Smit, ein Cantus, Besichtgungstouren und Spass im Schwimmbad und im und am Oranjefluss. Selbstverständlich fand an den wichtigen Christlichen Feiertagen Karfreitag und Ostersonntag kein Sport statt und wurden stattdessen der Gottesdienst besucht und der Nachmittag ruhig gestaltet.

Keine 2 Wohen später war schon wieder die nächste Gelegenheit für junge Leute aus verschiedenen Teilen Südafrikas, Orania zu erfahren. Afriforum Jugend, die hauptsächlich Afrikaaner-Studenten repräsentiert, war hier zum “Boerspitus”. Boerspitus ist ein Kunstwort und steht für Boeresport, Spitbraai und Cantus, also Spiel und Spass (Sackhüpfen, Tauziehen, Eierlaufen, Zwille schiessen etc), Schafsbraten am Spiess und traditionelles Singen und Biertrinken in der (etwas abgeänderten) Studentenverbindungstradition, sogar mit in Orania gebrautem Deutschen Bier der Bavaria Brauerei.

Afrikaanse Studenten können auf den Universitäten ihre Kultur nicht mehr feiern und ausleben, da alles “repräsentativ”, sprich der Mehrheitskultur entsprechend sein muss und alles was speziell Afrikaans ist als “exklusiv und diskriminierend” verdammt wird. Es war für Besucher und Oranier eine herrliche Zusammenkunft. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!

Freunde in Flandern geben grossen Beitrag

Orania hat Freunde in der ganzen Welt, die für uns Gold wert sind. Politiker, Meinungsformer, Südafrikaner im Ausland, sogar in Ländern wie Taiwan oder Russland. Wir haben gut gefestigte und schon lang anhaltenende Freundschaften mit Südtirolern und auch Flamen.

Jaco Kleynhans, Geschäftsführer der Orania Bewegung, ist vor kurzem von einer Europäischen Besuchstour zurückgekehrt, wo unter anderem auch Freunde in Flandern besucht wurden. Die “Vrienden van Zuid-Afrika” haben bei der Gelegenheit eine Schenkung von 1400 Euro an die Orania Bewegung gemacht. Wir sind dankbar für jeden Freund im Ausland der uns hilft und unterstützt!