Deutscher Infobrief der Orania Bewegung. Anfang Juli 2018

Orania Beweging schlägt neuen Vertrag über Grund und Boden vor
Die geplante Änderung des Grundgesetzes, um Grund und Boden entschädigungslos enteignen zu können, ist zur Zeit das grosse Thema in Südafrika, was alle aufregt und besorgt. Bis Ende Juni war Zeit um schriftliche Kommentare und Vorschläge an die parlamentarische Kommission die dieses untersucht, einzureichen. Zur Zeit finden überall im Land öffentliche Anhörungen statt.
Die Orania Bewegung hat in ihrem Kommentar an die Parlamentskommission vorgeschlagen, das ein neuer historischer Vertrag mit Minderheiten wie den Buren (Afrikaanern) geschlossen werden muss. Dabei muss anerkannt werden, von beiden Seiten, das Bodenbesitz ganz unterschiedlich gesehen wird aus der schwarzen oder weissen Perspektive, und das nicht eine Sichtweise die einzig richtige ist. Das Narrativ, das Weisse den Schwarzen den Boden geraubt haben, entspricht nicht den historischen Tatsachen, wird aber oft verkünde. Anderseits muss von weisser Seite auch der hohe symbolische Wert von Bodenbesitz für Schwarzafrikaner anerkannt werden, selbst wenn dieser nicht effektiv bewirtschaftet wird. Auch für Afrikaaner (Buren) besteht eine stark emotionale Bindung an den Boden, auch unter der Mehrheit die längst zu Stadtbewohnern geworden sind. Die rein wirtschaftliche Sicht der Farmerverbände lässt diesen wichtigen Punkt aus. Bei so einem Vertrag muss anerkannt werden, das die Buren integraler Bestandteil von Südafrika sind und ein Recht auf eine selbstbestimmte Zukunft haben.
Die Orania Bewegung strebt die Selbstbestimung der Afrikaaner im Nordwestkap an und wird durch die aktuelle Debatte über die Bodenreform ein erneutes Plädoyer einreichen, dass ein Gebiet in Südafrika von Bodenreform, Affirmative Action und Black Economic Empowerment befreit wird und die Option der Selbstbestimmung in einem solchen Gebiet ermöglicht wird.
Die Orania-Bewegung betrachtet die Forderung nach „Enteignung ohne Entschädigung“ als Fortsetzung der bereits weit vortgeschrittenen „Enteignung“ von Kulturräumen, dem Verlust von Schulen und Universitäten, die die Bildung der Muttersprache sichern, und der Ausgrenzung von Afrikaans im öffentlichen Leben. Laut Carel Boshoff, Präsident der Orania Bewegung, sind die Afrikaaner, wie andere indigene Völker auch, entfremdet und werden zu Staatsbürgern zweiter Klasse in ihrem Heimatland gemacht, anstatt Wege zu finden, um eine bedeutende Anerkennung und Raum für alle indigenen Völker und Kulturen zu gewährleisten. „Die Erwartung, dass das historische Abkommen, das in der Verfassung von 1996 resultierte, dies zum Ausdruck bringen und somit durch die aktuellen Entwicklungen erweitert werden würde, wurde enttäuscht.“

Die Orania-Bewegung hat in letzter Zeit wachsendes Interesse und Unterstützung für den Vorschlag für eine Afrikaaner-Konzentration im Nordwestkap bei Afrikaanern geweckt. Das aktuelle politische Klima in Südafrika, das durch den Antrag auf Enteignung vom 27. Februar 2018 im Parlament noch verschärft wurde, schafft die notwendigen Voraussetzungen, um unsere Selbstbestimmungsbemühungen noch stärker zu fördern.

Südafrikaner Land

Bewahrung des Erbes durch Instagram

Während der Diskussionen über ein Denkmalschutzprojekt zwischen Prof. Theo du Plessis vom Sprachendepartement der Universiteit des Freistaates in Bloemfontein und Dr. Burgert Senekal, Archivar und nachforscher der Orania Bewegung entstand die Idee zum Projekt #behoedjouerfenis. Die Idee ist einfach: man macht Fotos vom Afrikaansen Erbe – Sehenswürdigkeiten, Denkmäler, Statuen, Straßennamen, literarische und historische Artefakte usw. – und stellt diese Fotos mit dem Hashtag #behoedjouerfenis auf Instagram. Ziel ist es, auf das Erbe der Afrikaaner (Buren) aufmerksam zu machen und fotografisches Material zu Afrikaaner-Artefakten zu sammeln. Die Menschen können alles, was sie für ein burisches Erbe halten, vom Kuchen bis zum Sprachenmonument ablichten. Man kann sehen, was bereits auf Instagram unter dem hashtag #behoedjouerfenis platziert wurde.

Der Beitrag der Afrikaaner zur Geschichte Südafrikas wird zunehmend ignoriert und stigmatisiert, und überall gedroht, Statuen zu zerstören und Ortsnamen zu ändern wo es nicht schon geschehen ist. Alle Minderheiten die zu Südafrika gehören, haben einen Beitrag für das Land geleistet, einschließlich der burischen Minderheit und #behoedjouerfenis soll darauf aufmerksam machen. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Sprachendepartement der Universitaet, der Orania-Bewegung und der Erbestiftung (Heritage Foundation South Africa) getan, die jeweils Ressourcen und Infrastruktur zur Verfügung stellen um die Idee zu verwirklichen. Das Projekt ist auch mit dem Heritage Conservation Project der Heritage Foundation verbunden, das bei Riana Mulder unter museum@es.org.za erhältlich ist. Für weitere Informationen über #behoedjouerfenis kann die Orania Movement unter research@orania.co.za kontaktiert werden

#behoedjouerfenis

Juli, der Monat der Pekannussernte und der Kälte

Juli ist der kälteste Monat in Orania, und ein Monat wo normalerweise wenig passiert. Für die meisten Aktivitäten ist es einfach zu kalt, gerade abends. Es ist auch die Zeit wo regelmässig die Wasserrohre platzen und Klempner Überstunden machen müssen. Morgentemperaturen fallen bis – 8, für Südafrika insgesammt ungewöhnlich, nicht allerdings für die Karoo und das zentrale Hochland. Da im Winter allerdings tagsüber immer die Sonne scheint, sind die Mittagstemperaturen schon wieder erträglich mit 15 bis 20 Grad.

Der Juli ist auch die Zeit der Pekannussernte. Orania war gerade am Anfang seiner Entstehung in den 1990’ern stark abhängig von der Landwirtschaft und vor allem von Pekannüssen. Diese Nussbäume, die auf über 160 Hektar angepflanzt wurden, können Minustemperaturen (anders als viele Obstbäume) gut ertragen und liefern langfristige und stetig zunehmende Ernten. Der Absatz ist vor allem im Ausland, was auch gute Einkommen garantiert. Von den 160 Hektar Pekanbäumen gehören etwa die Hälfte zur Dendron Farm, dem grössten landwirtschaftlichen Betrieb in Orania, und der Rest verteilt sich auf verschiedene kleinere, nebenberufliche Farmer mit je etwa 20 Hektar.

Der Ernteprozess ist stark mechanisiert, mit einer Rüttelmaschine, die an den Bäumen befestigt wird und die Nüsse in wenigen Minuten herunterschüttelt. Diese werden dann in unter den Bäumen gespannten Netzen gesammelt.

Pekannussernte

Gazelle Rugbyteam in Dallas, Texas

Orania ist sehr stolz auf WJ Nel, einen Schüler der CVO Schule, der Teil des Bo-Karoo Gazelle 7 Rugby Teams war, das an diesem Wochenende ein Turnier in Dallas, Texas gewann. Sie haben am Ende gegen eine gute Mannschaft von Kalifornien 21-19 gewonnen. Obwohl das Team aus dem größeren Orania-Unterstützungsnetzwerk aus dem ganzen Land bestand, war es eine Orania-Initiative und Teil des Bo-Karoo Sports Föderation. Herr Willie Nel von Orania war der Teammanager und die Orania-Bewegung war einer der Team-Sponsoren. Sie reisten am 25. Juni nach Dallas in Texas, um am internationalen 7-Rugby-Turnier teilzunehmen. Herzlichen Glückwunsch an den Team- und Teammanager mit der großen Leistung.

Gazelle Rugbyteam

Volkskool Orania feiert Jubiläum

Am frühen Samstagmorgen startete die Orania Volkskool (Volksschule) ihr siebenundzwanzigstes Jubiläum mit einem festlichen potjiekos-Wettbewerb. Potjieskos ist ein traditionelles Afrikaanergericht, eine Art (meistens) Fleischeintopf mit verschiedenen Gemüsen der lange auf kleiner Flamme, idealerweise am offenen Feuer, gekocht wird, und den man in allen Variationen und Geschmachsrichtungen machen kann, und wo regelmaessig Wettbewerbe stattfinden über den leckersten potjie. Es war auch der Beginn einer Spendensammlung für große Erweiterungen des bestehenden Gebäudes, die Baupläne sind bereits fertig. Die Schülerzahlen sind so gestiegen, dass die Schule dringend mehr Platz benötigt.

Die Direktorin, Frau Anje Boshoff, bedankte sich für das phänomenale Wachstum der Schule – nicht nur in Zahlen, sondern auch in der Tiefe und im Umfang der Bildung und der internen Entwicklung. Im Jahr 1992, als Volkskool begann, fielen sie unter das damalige Cape Education Department. Heute ist es der dritte Lehrplan, dem sie folgen, sagt Anje. Die Schule hat 110 Fernschüler und 130 Lernende, die jeden Tag zur Schule gehen. Sie sagt, dass es auch schwierige Zeiten gab, aber die Freude am Erfolg belohnt für das Durchsetzungsvermögen, die Volkskool zum Erfolg zu führen.

Achtzehn potjies kamen zusammen mit einer Vielzahl von Variationen, zum Beispiel Muscheln, Springbokbraten, Lamm, Rind und Wild. Unabhängige Preisrichter haben die Zutaten, die Anbietung, die Aktivitäten und den Geschmack jeder Potjie-Präsentation beurteilt. Nach dem schnellen Verkauf zu urteilen, war der Inhalt sehr lecker. Den ganzen Tag über konnten die Festbesucher an fröhlichen Aktivitäten wie z. B. Sport- und Kochwettbewerben teilnehmen.

Die Volkskool Orania beendete die Geburtstagsfeier mit einer festlichen Gesangsdarbietung der bekannten Sängerin Nadine. Sie ist auch eine ehemalige Schülerin von Orania Volkskool und ist mittlerweile eine in ganz Südafrika bekannte Afrikaanse Sängerin. Alt und jung waren von ihr begeistert und sie stahl die Herzen der Kinder! Auch Orania und Volkskool sind stolz auf diese Ehemalige von ihnen, die auch die Afrikaanse Sprache hochhält. Wir gratulieren Orania Volksool herzlich und wünschen viel Erfolg weiterhin.