Deutscher Infobrief der Orania Bewegung. Anfang Juli 2018

Orania Beweging schlägt neuen Vertrag über Grund und Boden vor
Die geplante Änderung des Grundgesetzes, um Grund und Boden entschädigungslos enteignen zu können, ist zur Zeit das grosse Thema in Südafrika, was alle aufregt und besorgt. Bis Ende Juni war Zeit um schriftliche Kommentare und Vorschläge an die parlamentarische Kommission die dieses untersucht, einzureichen. Zur Zeit finden überall im Land öffentliche Anhörungen statt.
Die Orania Bewegung hat in ihrem Kommentar an die Parlamentskommission vorgeschlagen, das ein neuer historischer Vertrag mit Minderheiten wie den Buren (Afrikaanern) geschlossen werden muss. Dabei muss anerkannt werden, von beiden Seiten, das Bodenbesitz ganz unterschiedlich gesehen wird aus der schwarzen oder weissen Perspektive, und das nicht eine Sichtweise die einzig richtige ist. Das Narrativ, das Weisse den Schwarzen den Boden geraubt haben, entspricht nicht den historischen Tatsachen, wird aber oft verkünde. Anderseits muss von weisser Seite auch der hohe symbolische Wert von Bodenbesitz für Schwarzafrikaner anerkannt werden, selbst wenn dieser nicht effektiv bewirtschaftet wird. Auch für Afrikaaner (Buren) besteht eine stark emotionale Bindung an den Boden, auch unter der Mehrheit die längst zu Stadtbewohnern geworden sind. Die rein wirtschaftliche Sicht der Farmerverbände lässt diesen wichtigen Punkt aus. Bei so einem Vertrag muss anerkannt werden, das die Buren integraler Bestandteil von Südafrika sind und ein Recht auf eine selbstbestimmte Zukunft haben.
Die Orania Bewegung strebt die Selbstbestimung der Afrikaaner im Nordwestkap an und wird durch die aktuelle Debatte über die Bodenreform ein erneutes Plädoyer einreichen, dass ein Gebiet in Südafrika von Bodenreform, Affirmative Action und Black Economic Empowerment befreit wird und die Option der Selbstbestimmung in einem solchen Gebiet ermöglicht wird.
Die Orania-Bewegung betrachtet die Forderung nach „Enteignung ohne Entschädigung“ als Fortsetzung der bereits weit vortgeschrittenen „Enteignung“ von Kulturräumen, dem Verlust von Schulen und Universitäten, die die Bildung der Muttersprache sichern, und der Ausgrenzung von Afrikaans im öffentlichen Leben. Laut Carel Boshoff, Präsident der Orania Bewegung, sind die Afrikaaner, wie andere indigene Völker auch, entfremdet und werden zu Staatsbürgern zweiter Klasse in ihrem Heimatland gemacht, anstatt Wege zu finden, um eine bedeutende Anerkennung und Raum für alle indigenen Völker und Kulturen zu gewährleisten. „Die Erwartung, dass das historische Abkommen, das in der Verfassung von 1996 resultierte, dies zum Ausdruck bringen und somit durch die aktuellen Entwicklungen erweitert werden würde, wurde enttäuscht.“

Die Orania-Bewegung hat in letzter Zeit wachsendes Interesse und Unterstützung für den Vorschlag für eine Afrikaaner-Konzentration im Nordwestkap bei Afrikaanern geweckt. Das aktuelle politische Klima in Südafrika, das durch den Antrag auf Enteignung vom 27. Februar 2018 im Parlament noch verschärft wurde, schafft die notwendigen Voraussetzungen, um unsere Selbstbestimmungsbemühungen noch stärker zu fördern.

Südafrikaner Land

Bewahrung des Erbes durch Instagram

Während der Diskussionen über ein Denkmalschutzprojekt zwischen Prof. Theo du Plessis vom Sprachendepartement der Universiteit des Freistaates in Bloemfontein und Dr. Burgert Senekal, Archivar und nachforscher der Orania Bewegung entstand die Idee zum Projekt #behoedjouerfenis. Die Idee ist einfach: man macht Fotos vom Afrikaansen Erbe – Sehenswürdigkeiten, Denkmäler, Statuen, Straßennamen, literarische und historische Artefakte usw. – und stellt diese Fotos mit dem Hashtag #behoedjouerfenis auf Instagram. Ziel ist es, auf das Erbe der Afrikaaner (Buren) aufmerksam zu machen und fotografisches Material zu Afrikaaner-Artefakten zu sammeln. Die Menschen können alles, was sie für ein burisches Erbe halten, vom Kuchen bis zum Sprachenmonument ablichten. Man kann sehen, was bereits auf Instagram unter dem hashtag #behoedjouerfenis platziert wurde.

Der Beitrag der Afrikaaner zur Geschichte Südafrikas wird zunehmend ignoriert und stigmatisiert, und überall gedroht, Statuen zu zerstören und Ortsnamen zu ändern wo es nicht schon geschehen ist. Alle Minderheiten die zu Südafrika gehören, haben einen Beitrag für das Land geleistet, einschließlich der burischen Minderheit und #behoedjouerfenis soll darauf aufmerksam machen. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Sprachendepartement der Universitaet, der Orania-Bewegung und der Erbestiftung (Heritage Foundation South Africa) getan, die jeweils Ressourcen und Infrastruktur zur Verfügung stellen um die Idee zu verwirklichen. Das Projekt ist auch mit dem Heritage Conservation Project der Heritage Foundation verbunden, das bei Riana Mulder unter museum@es.org.za erhältlich ist. Für weitere Informationen über #behoedjouerfenis kann die Orania Movement unter research@orania.co.za kontaktiert werden

#behoedjouerfenis

Juli, der Monat der Pekannussernte und der Kälte

Juli ist der kälteste Monat in Orania, und ein Monat wo normalerweise wenig passiert. Für die meisten Aktivitäten ist es einfach zu kalt, gerade abends. Es ist auch die Zeit wo regelmässig die Wasserrohre platzen und Klempner Überstunden machen müssen. Morgentemperaturen fallen bis – 8, für Südafrika insgesammt ungewöhnlich, nicht allerdings für die Karoo und das zentrale Hochland. Da im Winter allerdings tagsüber immer die Sonne scheint, sind die Mittagstemperaturen schon wieder erträglich mit 15 bis 20 Grad.

Der Juli ist auch die Zeit der Pekannussernte. Orania war gerade am Anfang seiner Entstehung in den 1990’ern stark abhängig von der Landwirtschaft und vor allem von Pekannüssen. Diese Nussbäume, die auf über 160 Hektar angepflanzt wurden, können Minustemperaturen (anders als viele Obstbäume) gut ertragen und liefern langfristige und stetig zunehmende Ernten. Der Absatz ist vor allem im Ausland, was auch gute Einkommen garantiert. Von den 160 Hektar Pekanbäumen gehören etwa die Hälfte zur Dendron Farm, dem grössten landwirtschaftlichen Betrieb in Orania, und der Rest verteilt sich auf verschiedene kleinere, nebenberufliche Farmer mit je etwa 20 Hektar.

Der Ernteprozess ist stark mechanisiert, mit einer Rüttelmaschine, die an den Bäumen befestigt wird und die Nüsse in wenigen Minuten herunterschüttelt. Diese werden dann in unter den Bäumen gespannten Netzen gesammelt.

Pekannussernte

Gazelle Rugbyteam in Dallas, Texas

Orania ist sehr stolz auf WJ Nel, einen Schüler der CVO Schule, der Teil des Bo-Karoo Gazelle 7 Rugby Teams war, das an diesem Wochenende ein Turnier in Dallas, Texas gewann. Sie haben am Ende gegen eine gute Mannschaft von Kalifornien 21-19 gewonnen. Obwohl das Team aus dem größeren Orania-Unterstützungsnetzwerk aus dem ganzen Land bestand, war es eine Orania-Initiative und Teil des Bo-Karoo Sports Föderation. Herr Willie Nel von Orania war der Teammanager und die Orania-Bewegung war einer der Team-Sponsoren. Sie reisten am 25. Juni nach Dallas in Texas, um am internationalen 7-Rugby-Turnier teilzunehmen. Herzlichen Glückwunsch an den Team- und Teammanager mit der großen Leistung.

Gazelle Rugbyteam

Volkskool Orania feiert Jubiläum

Am frühen Samstagmorgen startete die Orania Volkskool (Volksschule) ihr siebenundzwanzigstes Jubiläum mit einem festlichen potjiekos-Wettbewerb. Potjieskos ist ein traditionelles Afrikaanergericht, eine Art (meistens) Fleischeintopf mit verschiedenen Gemüsen der lange auf kleiner Flamme, idealerweise am offenen Feuer, gekocht wird, und den man in allen Variationen und Geschmachsrichtungen machen kann, und wo regelmaessig Wettbewerbe stattfinden über den leckersten potjie. Es war auch der Beginn einer Spendensammlung für große Erweiterungen des bestehenden Gebäudes, die Baupläne sind bereits fertig. Die Schülerzahlen sind so gestiegen, dass die Schule dringend mehr Platz benötigt.

Die Direktorin, Frau Anje Boshoff, bedankte sich für das phänomenale Wachstum der Schule – nicht nur in Zahlen, sondern auch in der Tiefe und im Umfang der Bildung und der internen Entwicklung. Im Jahr 1992, als Volkskool begann, fielen sie unter das damalige Cape Education Department. Heute ist es der dritte Lehrplan, dem sie folgen, sagt Anje. Die Schule hat 110 Fernschüler und 130 Lernende, die jeden Tag zur Schule gehen. Sie sagt, dass es auch schwierige Zeiten gab, aber die Freude am Erfolg belohnt für das Durchsetzungsvermögen, die Volkskool zum Erfolg zu führen.

Achtzehn potjies kamen zusammen mit einer Vielzahl von Variationen, zum Beispiel Muscheln, Springbokbraten, Lamm, Rind und Wild. Unabhängige Preisrichter haben die Zutaten, die Anbietung, die Aktivitäten und den Geschmack jeder Potjie-Präsentation beurteilt. Nach dem schnellen Verkauf zu urteilen, war der Inhalt sehr lecker. Den ganzen Tag über konnten die Festbesucher an fröhlichen Aktivitäten wie z. B. Sport- und Kochwettbewerben teilnehmen.

Die Volkskool Orania beendete die Geburtstagsfeier mit einer festlichen Gesangsdarbietung der bekannten Sängerin Nadine. Sie ist auch eine ehemalige Schülerin von Orania Volkskool und ist mittlerweile eine in ganz Südafrika bekannte Afrikaanse Sängerin. Alt und jung waren von ihr begeistert und sie stahl die Herzen der Kinder! Auch Orania und Volkskool sind stolz auf diese Ehemalige von ihnen, die auch die Afrikaanse Sprache hochhält. Wir gratulieren Orania Volksool herzlich und wünschen viel Erfolg weiterhin.

 

Solidariteit : Autonomie-Konferenz

Deutscher Infobrief der Orania Bewegung. November 2017

Südtiroler besuchen Nordkap-Provinz und Orania

Ende November/Anfang Oktober besuchte eine Reisegruppe des Südtiroler Freundeskreis der Afrikaner Südafrika, (Pretoria und Umgebung, die Nordkap-Provinz und Orania). Einige, wie dr. Gino Bentivoglio, Obmann des Freundeskreises, und Bruder Enrico Divina, Sekretär, waren schon mehrmals in Südafrika und Orania, aber für die meisten war es der erste Besuch.

Die Reise begann in Pretoria und danach flog die Gruppe von 9 Personen nach Kimberley, wo Sebastiaan Biehl, Touristenführer der Orania Bewegung, sie in Empfang nahm. Von dort ging es zum Schlachtfeld von Magersfontein, wo die Buren im November 1899 den Engländern im Anglo-Burenkrieg eine emfindliche Niederlage bereiteten. Auf dem ausgestreckten Schlachtfeld befinden sich auch zahlreiche Denkmäler für die verschiedenen Kriegstoten (Engländer, Schotten, Buren, Skandinawier), ein Museum mit Filmschau und ein Aussichtspunkt, wo man die Stellungen gut sehen kann. Auch ein Blockhaus, ein britischer Beobachtungsposten aus der Guerillaphase des Krieges, wurde in der Nähe besucht.
Am Abend ging es zum nahegelegenen Mokala Nationalpark, wo die Gruppe in gemütlichen Chalets im Busch übernachtete und am nächsten Tag die afrikanische Natur und Tierwelt erlebte. Am Abend erreichte man Orania, wo der paradiesische Uferpark mit seinen Chalets auf die Südtiroler wartete. In Orania wartete es ein volles Programm auf die Besucher: eine Besichtigungstour von Orania, verschiedene Museen, ein Frühschoppen bei Sepp Eckmeier, Oranias bayrischem Bierbrauer, Schnapsprobe, Bootsfahrt auf dem Oranjefluss und genug Zeit für Entspannung beim Uferpark.

Nach 2 Tagen in Orania ging es weiter zum Besuch des Oranjerivier Konzentrationslagers, einer beeindruckenden Stätte aus dem Burenkrieg, wo die Burenfrauen und Kinder von den Englischen Soldaten gefangen gehalten und mishandelt wurden. Viele starben an Unterernährung und Krankheiten. Am Abend war die Gruppe wieder in der Wildnis, auf der Wildfarm Slypsteen, wo Wild beobachtet und auch Jagdversuche gemacht wurden. Dann ging es nach 2 Nächten wieder zurück nach Kimberley zum Weiterflug nach Pretoria, wo die Reise ausklang.

Die Südtiroler beim Uferrestaurant in Orania

Konferenz zum Thema „Autonomie für die Afrikaanse Gemeinschaft“

Am 10. und 11. November fand in Pretoria ein Kongress zum Thema “Autonomie für die Afrikaanse Gemeinschaft”, der von der Afrikaner-Organisation Solidariteit veranstaltet wurde, statt. Viele bekannte und namhaften Denker, Akademiker und Führugspersonen der Afrikaner waren dort versammelt, um die Möglichkeiten für Autonomie zu besprechen.

Was Minderheitsrechte betrifft ist Südafrika sehr unterentwickelt. Im Grundgesetz stehen ein paar vage Artikel die nicht den Test der Praxis bestehen. Die Regierung sieht alles Streben nach Selbstbestimmung als Exklusivität und Diskriminierung an und tut alles, um dies zu verhindern. Afrikaanse Schulen werden zum Beispiel mehr und mehr gezwungen, Englisch zu werden, damit Buren nirgendwo mehr Unterrichtsautonomie haben.

Die Afrikaner sind erst am Anfang was das Streben nach Autonomie betrifft und sind in einen wesentlich ungünstigeren Umfeld als beispielsweise Minderheiten in Europa. Ein erster Schritt ist, sich von der Abhängigkeit des Staates zu lösen und mehr und mehr zu privatisieren.

Orania wurde auf der Konferenz oft erwähnt als ein Vorbild von Selbständigkeit in der Praxis und auch das einzige Beispiel von territorialer Autonomie in Südafrika.
Eine Folgekonferenz wo praktische Schritte zur Verwirklichung von Autonomie besprochen werden, ist in Voraussicht gestellt.

Autonomie-Konferenz: Flip Buys, Frans de Klerk, prof. Koos Malan, Piet Le Roux, Heinrich Matthee, Dr. Dirk Hermann, Jan Bosman

Dritte Carel Boshoff Gedenklesung

Die dritte Carel Boshoff Gedenklesung fand am 9. November in Pretoria statt, am Tag, an dem Carel Boshoff (snr.) 90 Jahre alt geworden wäre.
Dr. Danie Langner, Leiter der Afrikaansen Jugendorgansiation „Die Voortrekkers“ und Direktor der Federasie van Afrikaanse Kultuurorganisasies (FAK) (Dachverband der Afrikaansen Kulturorganisationen) war der Sprecher der diesjährigen Gedenklesung unter dem Thema: “Kinders van die 80’s”, was handelte über die Rolle von prof. Boshoff as Leiter der Voortrekkerbewegung in den 1980’er Jahren, als dr. Langner ein jugendliches Mitglied dieser Bewegung war.

Prof. Boshoff war nicht nur Leiter der Voortrekkerbewegung in den 1980’ern, sondern auch Vorsitzender zahlreicher Afrikaanser Kulturorganisationen, Universitätsdozent, Missionar und Pfarrer, aber er wird vor allem geehrt als der Gründer von Orania und als der grosse Vordenker der Volkstaat-idee.

Dr. Danie Langner

Rooi Papawerdag 11 November (Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt)

Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg, an dem auch zahlreiche Südafrikaner als Soldaten beteiligt waren und umkamen. Dieser Tag wird auf Initiative von dr. Manie Oppermann jährlich auch in Orania gedacht. Es geht dabei nicht nur um das Gedenken an Kriegstote, sondern vor allem auch um die vielen Opfer von Gewalt, speziell Farmmorde. Der Ort des Gedenkens ist das boerekruis, ein weisses Kreuz fuer die Opfer von Farmermorden nahe dem Museum.

Das Program wurde eröffnet mit Bibellesung und Gebet, dann gab es eine kurze Ansprache von James Kemp und eine Gedichtsvortrag von Ester Le Roux zum Thema. Anschliessend legten Vertreter von verschiedenen Orania-Organisationen und einige der Einwohner Kränze und Blumen zum Gedenken an die Toten am Kreuz nieder und zum Abschluss spielte Carel Boshoff das Tabtoe-Signal auf der Trompete, womit Tote geehrt werden. Es war wie jedes Jahr ein feierliches Ereignis mit einer ganz eigenen Würdigkeit.

Gedenken an die Toten von Krieg und Gewalt

Jaco Kleynhans schafft Istanbul Maraton

Der Geschaeftsführer der Orania Bewegung, Jaco Kleynhans, ist ein begeisterter Langstreckenläufer und hat in diesem Monat am 39. Istanbul Marathon über 2 Kontinente teilgenommen. Jaco hat schon an mehreren Halbmarathons in Südafrika und sogar Deutschland teilgenommen, aber dies war der erste volle Marathon und eine neue Herausforderung für Jaco. Istanbul war auch ein besonderer Ort dafür. Marathonlaufen hat fast mehr mit Selbstdisziplin als mit körperlicher Leistung zu tun. Auch der Aufbau von Orania und einem Afrikaner-Gebiet erinnert an einen Marathonlauf. Wenn man aufgeben will, muss man sich überzeugen weiter zu machen bis zum Ziel.

Jaco Kleynhans am Ziel in Istanbul

Constand Viljoen, Klaus von der Ropp und der Burenstaat

DR. Klaus von der Ropp, ein Deutscher Akademiker im Ruhestand und Schriftsteller, der sich schon sehr lange mit Südafrika und speziell mit der Lage der Buren beschäftigt, und auch ein Freund von Carel Boshoff snr, dem Gründer Oranias und Vorläufer der Volkstaat-Idee war, hatte vor kurzem einen langen, gut fundierten Artikel publiziert. In Afrikaans übersetzt, auf die Oraniablog.

Dieser Artikel, ein fiktiver Brief an seinen verstorbenen Freund Carel Boshoff snr, schildert die Notwendigkeit einer territorialen Selbstbestimmung für die Buren, was bereits in den 1970’ern besprochen wurde und heute dringender als je zuvor ist, mit der prekären Lage der Buren, die sich ständig verschlechtert.

Dieser Artikel wurde an verschiedene einflussreiche Personen und Freunde und Bekannte von von der Ropp geschickt und erreichte unter anderem auch General Constand Viljoen, ehemaliger Chef der Südafrikanischen Streitkräfte und ehemaliger Vorsitzender der Vryheidsfront, die sich auf parlamentarischem Weg für die Selbstbestimmung der Buren einsetzt.

Viljoen sagte in seiner Reaktion, das die Orania Bewegung die Führung bei dem Streben nach Selbstbestimmung nehmen müsse und das eine neue Initiative dafür dringender sei als je zuvor. Die Buren müssten aufs Neue überzeugt werden von Selbstbestimmung als Lösung der heutigen problematischen Umstände von Südafrika. Das ein Deutscher, Dr. von der Ropp, die Debatte wieder in Gang setze, sei sehr zu begrüssen.

Constand Viljoen
Constand Viljoen
von der Ropp, Klaus
von der Ropp, Klaus

Carel Boshoff reagiert auf Jacob Zuma

IM März erschreckte der südafrikansiche Präsident Jacob Zuma seine Landsleute mit einer “Kabinetsumbildung”, die vor allem darauf abzielte, den fähigen und Zuma-kritischen Finanzminister Pravin Gordhan, der für finanzielle Disziplin und gegen Korruption steht und Zuma deswegen ein Dorn im Auge war, durch einen unbedarften Gefolgsmann von Zuma (Malusi Gigaba) zu ersetzen. Dieser Entschluss verursachte Schockwellen im Land und führte sofort zu wirtschaftlichen Konsequenzen, wie ein deutlicher Fall im Wert des Südafrikanischen Rand, der sich gerade erholt hatte, und der Herabstufung des Landes auf Ramschniveau durch die Gradierungsagenturen wie Standard & Poor. Das heißt für Südafrikaner, das alles teurer wird und die Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit weiter zunehmen. Auch einige andere Minister, die nicht loyal genug waren, wurden ersetzt von Zuma-Günstlingen. Ein Misstrauensvotum gegen Zuma wird von der Opposition vorbereitet, aber auch in der Vergangenheit stand der ANC fest hinter Zuma, der bereits einige Skandale verursacht hat.

Carel Boshoff, der Präsident der Orania Bewegung, sagte in seiner Reaktion per Video dass die Buren nur Zuschauer der Südafrikanischen Politik wären und sehr wenig Möglichkeiten hätten, solche Entschlüsse der Regierung zu beeinflussen.

 

Das zeigt allerdings wieder, wie wichtig Selbstbestimung sei, um nicht an Kräfte ausgelieftert zu sein, die die Interessen und Bedürfnisse der Buren weder verstünden noch sich darum schehren. Deshalb müssten die Buren an den Grundlagen von Selbständigkeit arbeiten, nämlich eigene Arbeit, eigene Institutionen und ein eigenes Gebiet, bis hin zu einer eigenen Stadt und sogar einem Volkstaat.

Die Frustration mit Präsident Zuma hat immerhin dazu geführt, das das Interesse an Orania gewaltig gestiegen ist und mehr Buren Mitglieder der Orania Bewegung geworden sind. Die Facebookgruppe “Orania” ist besonders aktiv und hat schon 60 000 Unterstützer (von dene allerdings die meisten noch nicht Mitglieder der Orania Bewegung sind).

Orania Facebook

 

Werbungskampagne der Orania Bewegung / Jacob Zuma (“Wir lassen uns nicht von korrupten Politikern als Geiseln nehmen”)
Werbungskampagne der Orania Bewegung / Jacob Zuma (“Wir lassen uns nicht von korrupten Politikern als Geiseln nehmen”)

Besuch an Thembelihle

ORANIA’s Repräsentativer Rat mit dem Vorsitzenden Carel Boshoff (vorne 2. von links) trifft den Gemeinderat von Thembelihle mit Bürgermeisterin Brenda Mpamba (vorne links).

Der Orania Repräsentative Rat (Orania Verteenwoordigende Raad, OVR) hat vor kurzem den neuen Rat und die neue Bürgermeisterin von Thembelihle (Hopetown und Strydenburg), Brenda Mpamba besucht. Thembelihle ist die Nachbargemeinde von Orania mit dem Hauptort Hopetown, etwa 40 Kilometer entfernt. Der Besuch war geprägt von Herzlichkeit und gegenseitigem Respekt. Carel Boshoff, der Vorsitzende des OVR, sagte, das Orania sehr gelegen ist an einem guten Verhältnis mit seiner Nachbargemeinde und das es einige Bereiche für Zusammenarbeit gibt. Allerdings muss Orania als Selbständige Afrikanergemeinschaft überall anerkannt werden.  Bürgermeisterin Mpamba sagte, das Orania in vielerlei Hinsicht ein Vorbild sei und das Thembelihle einiges dort lernen könnte über gutes Management und Wachstum.

Im Jahr 2000 hatte die ANC-Regierung probiert, Orania gegen seinen Willen bei Thembelihle einzugemeinden, wogegen die Gemeinschaft von Orania sich wehrte und schliesslich ein Gerichtsurteil zu seinen Gunsten bekam und seither als selbständige Gemeinschaft fortbesteht, mit einem Status der noch in der Zukunft verhandelt werden muss. Die gute und freundliche Gesinnung der Bürgermeisterin und des Gemeinderates lassen Orania auf gute Nachbarschaft und Zusammenarbeit hoffen. Es ist wichtig, das Orania sein Streben in Frieden und mit gegenseitigem Respekt ausleben kann. Orania trägt sämtliche finanziellen Ausgaben aus eigenen Quellen, wogegen alle Südafrikansichen Gemeinden stark auf staatliche Zuwendungen angewiesen sind und nicht mal mehr ihre Stromrechnungen bezahlen können.

 

 

Kampus-Projekt

IN Orania gibt es mittlerweile 3 tertiäre Bildungsinstitutionen: die technische Berufschule, die Friseur-Ausbildung und die technische Akademie. Studenten und Lehrlinge sollen sich wie Studenten auf einem Universitätskampus mit lebendigem und vielseitigem Studentenleben fühlen können. Studierende sollen eine Studentenkarte mit Vergünstigungen bekommen und die Orania Bewegung wird kulturelle, soziale und Sportzusammenkünfte organisieren. Es existieren bereits einige Aktivitäten die Studierenden zusagen, wie eine Cantusgilde (eine Art Burschenschaft, aber informeller), Volkspele (Afrikaanse Volkstänze mit Gesang), Theater- und Filmvorführungen und gesellige Abende mit Musikdarbietungen. Das Kampusprojekt wird von James Kemp von der Orania Bewegung koordiniert.

James Kemp, Koordinator des Kampusprojekt, spricht über die Pläne für einen Orania Kampus.

Infrastruktur-Ausbreitung

ORANIA wuchs im letzten Jahr mit 11%, von 1150 auf 1300 Einwohner. Das Bevölkerungswachstum könnte noch höher sein, wenn ausreichend Wohnraum zur Verfügung stehen würde. Dieses Jahr wird die Entwicklung noch schneller voranschreiten. Schon im Jahr 2015 wurden die Weichen gestellt für den Ausbau der Infrastruktur durch die Erhöhung der Stromkapazität und der Anstellung neuen technischen und adminstrativen Personals. Vor kurzem wurde auch die Strasse von Orania in den Vorort Kleingeluk neu geteert, wohlgemerkt ohne staatliche Unterstützung, wie alles in Orania. Gerade in Kleingeluk sind zur Zeit grosse Neubauprojekte in Arbeit. Soetdoring und Olienhout, zwei soziale Wohnungsbauprojekte, sind fertiggestellt bzw. erweitert worden. Mit dem Bau der ersten 19 Wohneinheiten eines Wohnprojektes wird gerade begonnen. Am Ende sollen 119 Wohnungen Teil des Komplexes sein. Diese werden vor allem benötigt für Lehrlinge der vor kurzem fertiggestellten Berufsschule.

Bei den Sportanlagen wird gerade noch ein Komplex gebaut für die Unterbringung von Besuchern und Teilnehmern von Schul-Sportereignissen, die zunemend in Orania ausgetragen werden. In Ferienzeiten platzt Orania aus seinen Nähten und dieser Komplex kann auch für Besucher benutzt werden.

Die neuen Unterkünfte bei Orania’s Sportanlagen.

Carel Boshoff’s “Volk-staat-betoog 2017”

JEDEN Anfang des Jahres schreibt der Präsident der Orania Bewegung, Carel Boshoff, eine Rück- und Vorausschau unter dem Titel “Orania se Volk-staat-betoog”, was viel mehr ist als nur eine Grussbotschaft zum neuen Jahr. Es ist eine politisch-philosophische Analyse wo Südafrika und speziell die Afrikaaner im Verhaeltnis zu Südafrika stehen.

2016 stand im Zeichen von “state hijacking”, oder Staatsentführung, angetrieben durch Präsidenten Jacob Zuma und seine Vertrauten, die Südafrika für persönliche Bereicherung plündern. Eine besondere Rolle spielt dabei die Indische Gupta-Familie, mit denen Zuma in einer korrupten Beziehung verbunden ist: die Guptas finanzieren Zumas ausschweifenden Lebensstil und dürfen dafür in der politischen Entscheidung auf höchster Ebene mitreden, sogar Minister aussuchen, die ihren Interessen entgegenkommen. Diese “Staatsentführung” wurde allerdings Dank der pflichtbewussten obersten Staatsanwältin (public prosecuter) Thuli Madonsela aufgedeckt. Personelle Konsequenzen gab es allerdings bisher nicht, da Zuma kein Schuldgefühl hat und sich als Opfer einer Verschwörung sieht, und von der eigenen Partei, die er längst mit Getreuen durchsetzt hat, unterstützt wird. Allerdings ist sein öffentliches Ansehen auf dem Tiefpunkt und kann er zumindest nicht weiterstehlen wie bisher. Die neue Staatsanwältin ist allerdings von Zuma handverlesen und wird weniger streng sein als Frau Madonsela, deren Kontrakt abgelaufen was. Was die ganze Affäre allerdings für Afrikaaner deutlich macht ist das was eigentlich bisher in Südafrika undenkbar war, nämlich das eine Machtelite sich den Staat zur Beute macht und nicht wirklich zur Rechenschaft gezogen werden kann. In Europa würde ein Politiker schon wegen weitaus geringerer Vergehen zurücktreten und wäre für alle Zeiten unwählbar (siehe Ex-Bundespräsident Wulf).

Für 2017 ist noch etwas, was für Afrikaaner undenkbar ist, möglich, nämlich die massive Enteignung von Grund und Boden. Der regierende ANC wird zunehmend radikaler und da er viele seiner Anhänger enttaeuscht hat mit leeren Versprechungen, ist der “weisse Suendenbock” immer gut zur Hand und das Versprechen von kostenlosem Farmland etwas, was die schwarzen Massen begeistert, zumal diese sich zunehemend zur noch radikaleren Partei Economic Freedom Fighters hinwenden. Obwohl das Rechtssystem momentan noch eine letzte Bastion der Rechtsstaatlichkeit ist, sollten Afrikaaner nicht vergessen, das auch dieses (wie zum Beispiel in Zimbabwe der Fall war) transformiert wird bis es die Interessen der Mehrheit und der Regierungspartei vertritt. Selbst wenn 2017 relativ ruhig vorbeigeht, sollten wir dies nicht als selbstverstaendlich annehmen und uns zurücklehnen, sondern die Zeit, die uns noch gegönnt wird, nutzen.

Das erfreulich ist allerdings, das die Afrikaaner nach Jahren der Schuldgefühle allmählich wieder ihr Selbstbewusstsein zurückbekommen. Das ist die Voraussetzung, die Probleme zu erkennen und anzusprechen. Viele sind noch dabei, die Probleme zu sehen, aber andere suchen bereits nach Lösungen. Die Lösung kann nicht mehr nur sein, Südafrika irgendwie zum funktionieren zu bringen, dafür hat es sich in den lezten 20 Jahren zu stark in eine Richtung entwickelt, die es für die Afrikaaner fremd macht, und dieser Prozess kann auch nicht umgekehrt werden. Die Lösung liegt darin, die Frustration, Wut, Ernüchterung und das Klarsehen der Probleme zu benutzen, eine dauerhafte, staatskundige, territoriale Lösung für die Afrikaaner zu erreichen. Der Weg dahin führt über zunehmende Selbständigkeit, wie es täglich in Orania praktiziert wird. Dies wird von der Orania Bewegung betrieben. Dabei muss auch auf anderen Gebieten für die Rechte und Lebensumstände der Afrikaaner im heutigen Südafrika gearbeitet werden, und wir sind dankbar für Organisationen wie Solidariteit, Afriforum und Helpende Hand, die dies erfolgreich tun. Wir brauchen einerseits eine Konzentration von Afrikaanern in und um Orania zur Verwirklichung einer territorialen Basis, aber andererseits auch erfolgreiche Afrikaaner, die sich im Rest Südafrikas behaupten. Zwischen beiden müssen starke Bande gebaut werden. Bande müssen auch mit Südafrika als Ganzes und mit unseren Unterstützern im Ausland gefestigt werden. Die Konzentrationspolitik, die die Orania Bewegung betreibt, muss einhergehen mit einer Politik der gegenseitigen Anerkennung. Mögen wir in 2017 näher an unsere Endbestimmung, Freiheit, kommen.