Deutscher Infobrief der Orania Bewegung. Anfang Januar 2019

Da Dezember und Anfang Januar die Hauptferienzeit in Südafrika sind, und natürlich die Weihnachtszeit, ist es dann auch politisch etwas ruhiger. Allerdings werden Probleme nur vertagt und ab Mitte Januar geht es wieder los.

Die Probleme die nicht gelöst sind, sind zu viele um alle zu nennen. Die wichtigsten sind Kriminalität, Korruption, die schwache Wirtschaft und hohe Arbeitslosigkeit, die Rassenspannungen, der Verfall, die Dürre, die geplanten Enteignungen. Fast alle hängen miteinander zusammen und an den meisten wird sich auch in 2019 nicht viel ändern, am ehesten vielleicht noch an der Dürre, die allein in Gottes Hand ist.

2019 wird auch im Zeichen einer Wahl stehen, was leider immer zu politischer Polarisation führt. Das heisst auch, das das tote Pferd der sogenannten Apartheid und des vermeintlichen weissen Reichtums noch stärker geritten wird um die Wähler mit Neid, Angst und Hass zu mobilisieren. Das gilt allerdings nicht nur für den ANC und die EFF, sondern auch für die DA, die wiederum mit Angst vor dem ANC die Wähler in ihren Hochburgen im West-Kap und einigen Grossstädten zu mobilisieren versucht.

Für Orania ist es am besten, in diesen Zeiten aus den Schlagzeilen zu bleiben und ruhig und beharrlich weiter zu machen mit unserem Erfolgsrezept: das zu zeigen, was wir erreicht haben, und zu sagen, was wir noch erreichen wollen und dafür zu planen und zu bauen. Es gibt viele Projekte für 2019 die vollendet, weitergebaut oder begonnen werden: der Gannabos Wohnkomplex, die neue Gemeinschaftsbank, Solidariteit’s Sicherheitszentrum, ein grosses, neues Altersheim mit Krankenhaus und noch einiges andere mehr. Nach aussen müssen wir mit Diplomatie mögliche Angriffe im Vorfeld verhüten und unseren Freundeskreis vergrössern.

Allen Freunden und Unterstützern Oranias und der Buren wird hiermit gedankt für das, was sie im vergangenen Jahr getan haben, und für das, was sie in diesem Jahr tun werden.

Ein gesegnetes Jahr 2019 Ihnen allen.

Tag des Gelöbnisses (Geloftedag)

Der 16. Dezember, der Tag des Gelöbnisses, ist der wichtigste Festtag der Buren und wird jedes Jahr als Höhepunkt des Kulturkalenders in Orania gefeiert. Am Vortag, dem 15. Dezember, gibt es bereits ein Vorprogramm mit dem Fokus auf das Leben der Voortrekker.

Unter der Leitung von Anton Enslin, einem Farmer aus Orania, wurde ein Pferdekommando zusammengestellt, das mit historischen Flaggen und traditioneller Kleidung zur Erinnerung an den Tag des Gelöbnisses durch Orania reitete. Das Pferdekommando veranstaltete auch eine Flaggenparade bei Adam’s Ausspann, einer Anlage bestehend aus historischen Ochsenwagen, wo Besucher übernachten und das Voortrekkerleben erfahren können. Danach bot die historische Vereinigung von Bloemfontein eine Vorstellung der Lebensweise der Voortrekker an, zum Beispiel Feuer macht mit der Zünddose, rösten und mahlen von Kaffeebohnen, laden und abfeuern von Vorderladern und anderes.

Am 16. Dezember war der traditionelle Gottesdienst am Uferpark mit Pfarrer Willem Boshoff von der Niederlandisch-reformierten Kirche aus Pretoria als Prediger. Die Festrede, in dem die Ereignisse von Blutfluss 1838 für die heutige Zeit interpretiert werden, wurde in diesem Jahr von Tiaan Theron, Farmer und Afrikaner-Aktivist aus Beaufort West, gehalten. 
Nach dem offiziellen Teil gab es Ingwer-Bier und Kuchen für die Festbesucher und Gelegenheit für Picknick, Braai und Zusammensein als Freunde und Familie.

Das Gelöbnisfest wird jedes Jahr von mehr Menschen besucht und auch die Präsenz traditioneller Kleidung nimmt zu. Der Grund für den Erfolg des Orania-Gelöbnisfestes ist vielleicht, dass wir nicht nur an die Vergangenheit erinnern, sondern eine aktive Zukunft für die Buren aufbauen, sodass das Gedenken an die Geschichte nicht nostalgisch und melancholisch ist, sondern Stolz und Engagement für die Zukunft darstellt.

Gedenken an Jopie Fourie

Am 20. Dezember 1914, vor 104 Jahren, wurde Joseph (Jopie) Fourie, Offizier der Union Defense Forces, von der Regierung von Louis Botha und Jan Smuts hingerichtet, weil er sich weigerte, am Feldzug gegen Deutsch-Südwestafrika im Auftrag von Großbritannien teilzunehmen.

Er war ein Märtyrer der Rebellion von 1914. Burenhelden, die am Burenkrieg (1899-1902) teilnahmen, wie zum Beispiel die Generäle Christiaan De Wet, Frederick Beyers, Koos De la Rey und Manie Maritz und anderen fanden es inakzeptabel, mit dem alten Feind Großbritannien gegen ein Brudervolk, die Deutschen, zu kämpfen, die den Buren niemals Schaden zugefügt hatten sondern im Gegenteil diese im Burenkrieg unterstützt hatten.

Obwohl die Rebellion schnell unterdrückt wurde, hat sie der Welt gezeigt, dass es Buren gibt, die bereit sind, für ihre Überzeugungen zu sterben oder ins Gefängnis zu gehen. Jopie Fourie war der einzige, der standrechtlich erschossen wurde (Beyers ertrankt auf der Flucht im Vaal, de la Rey wurde bei einer Strassensperre erschossen, de Wet ins Gefängnis gesperrt, Maritz flüchtete).

Jopie Fourie zu Ehren wurde am 20. Dezember 2018 um 5 Uhr Morgens ein Gedenken auf Oranias Denkmalberg abgehalten, genau zu der Uhrzeit wo Fourie bei Sonnenaufgang erschossen wurde. Er ist eine Inspiration für uns als jemand, der den Tod für seine vom christlichenGlauben inspirierten Überzeugungen in Kauf nahm.

Jopie Fouries Transvaalflagge, die er in der Todeszelle mitgeführt hatte, ist im kulturhistorischen Museum von Orania ausgestellt.

Humoristisches Theaterstück und Kunstausstellung

Die Bewohner von Orania haben in ihrem täglichen Leben immer noch viele Herausforderungen des Pionierslebens. Dies hindert uns jedoch nicht an der Wertschätzung der feineren Dinge des Lebens. Wir bauen eine Gemeinschaft auf westlichen Traditionen mit afrikanischen Erfahrungen auf, wir schätzen Kunst, Musik, Schreiben und auch Bühnenproduktionen.

Im Rahmen von Oranias Ferienprogramm präsentierte Stefnie Muller eine Kombination aus einer wunderschönen Kunstausstellung und einer Theaterinszenierung.

Die Kunstausstellung wurde meisterhaft durchgeführt, indem Autoren und Künstler zusammenarbeiteten, um ein gemeinsames Kunstwerk mit Begleittext zu erstellen. Das Ergebnis war großartig.

Das Theaterstück „Bly of Gly“ („bleiben oder gehen?“) zog die vielen aktuellen Herausforderungen der Buren und wie wir damit umgehen durch den Kakao, thematisch basierend auf der Kindergeschichte der drei kleinen Schweinchen und des bösen Wolfes. Beide Veranstaltungen wurden von der Gemeinschaft gut besucht.

Gemeinschafts-Strassenfest mit Erntedankthema

Oranier haben im Dezember ein Gemeinschaftfest mit dem Thema „aus dem Garten frisch auf den Tisch“ gefeiert. Es war eine Art Erntedankfest und Feier des Gemeinschaftsgeistes. Dieses Fest war für jeden Einwohner eine Gelegenheit, zu kommen, eigene Erzeugnisse, die er in diesem Jahr produziert hatte, entweder im Gemüsegarten, selbstgebacken oder aus dem Obstgarten, mitzubringen und auszutauschen.

Die vier Damen, die das Festival organisierten, haben alles getan, um die Straße mit Fahnen, Lichtern und anderen Dekorationen zu schmücken. Neben leckeren Brotsorten, Wurstwaren, Früchten, Salaten und verschiedenen anderen Speisen, die in absoluter Fülle serviert wurden, wurde fröhliche Musik auf dem Akkordeon gemacht, Weihnachts- und Volkslieder wurden bis spät in die Nacht gesungen und die Sterne betrachtet . Die Gemeinschaft war ganz in Weiß gekleidet und die Damen trugen Lorbeerkränze, was natürlich für schöne Fotos sorgte!

Laut Monja Strydom, einer der Organisatoren, sind sie mit dem Ablauf des Straßenfestes sehr zufrieden: „Das Straßenfest war wirklich ein Fest im wahrsten Sinne des Wortes! Die gesamte Gemeinschaft leistete auf ihre Weise einen wunderbaren Beitrag. Egal ob es sich dabei um Akkordeon oder Mundharmonika spielen, leckeres Essen zu präsentieren oder die Gemeinschaft mit Weihnachtsliedern als Teil des Chors zu beglücken handelte.“

Das Strassenfest soll eine jährliche Institution werden. „Wir haben erkannt, dass das Zusammenkommen einer Gemeinschaft mehr ist als nur die Summe der Individuen, weil etwas von dem Wunder einer Gemeinschaft sichtbar war. Der starke Wind kam für die Dauer des Festivals auf fast übernatürliche Weise zum Stehen und begann am nächsten Morgen ausgelassen zu blasen.“

Eine enge Gemeinschaft ist für die Oranier von größter Bedeutung, wir schließen gerne ein gutes Jahr gemeinsam ab.

Jaco Kleynhans in Niederland

Jaco Kleynhans trat bei einer Veranstaltung in den Niederlanden als Redner auf. Mehr als 70 Menschen aus Deutschland, den Niederlanden und Flandern hörten Jacos Präsentation über die Lage der Buren in Südafrika zu.

Das Publikum war sehr interessiert, auch an Orania, und die Frage und Antwortzeit nach der Präsentation dauerte zwei Stunden lang! 
Mehr als dreißig Bücher “Orania – van dorp tot stad” (Orania, vom Dorf zur Stadt) wurden an Interessenten verteilt.

Wir brauchen Freunde im Ausland und Gelegenheiten wie diese stärken unsere Position.

Ausser der Veranstaltung hat Jaco auch privat Urlaub gemacht mit seinem Sohn Ernst und war in Amsterdam bei Freunden zu Gast. Von dort haben sie unter anderem Ausflüge zu der Ministadt Madurodam, zum Freilichtmuseum Zaanse Schans und zum Weihnachtsmarkt in Aachen gemacht.

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