Deutscher Infobrief der Orania Bewegung. Februar 2019

Es tut uns leid das der Newsletter diesmal etwas später als sonst erschienen ist. Es gab Probleme mit dem Anbieter.

Südafrika: Zondo-Kommission deckt Korruptionsnest auf

Zur Zeit wird das Land in Atem gehalten von immer neuen Enthüllungen zur weitverbreiteten Korruption, die gerade von der Zondo-Kommission untersucht werden. Während 2018 vor allem im Zeichen des Gupta-Skandals stand, kommen nun die Enthüllungen des Bosasa-Skandals hinzu.

Die Guptas sind 3 Indische Geschäftsleute mit verschiedenen Firmen und Interessen in Südafrika, die seit vielen Jahren ein korruptes Verhältnis mit Ex-Präsident Jacob Zuma unterhielten und seinen ausschweifenden Lebensstil finanzierten im Tausch für die Antellung ihnen genehmer, das heisst korrupter Minister und Beamte. Dies flog auf, als sich einige der Minister weigerten, mitzuspielen und ihre Seele für Geld zu verkaufen. Auch das entstehen einer inneren Opposition gegen Zuma im ANC spielte dabei eine Rolle.

Zur Zeit wird gerade ein neuer Korruptionsskandal, nämlich der von Bosasa, aufgedeckt. Bosasa ist eine Dienstleistungsfirma, die Gavin Watson gehört, einem langjährigen ANC-Unterstützer. Watson schmierte massiv Beamte, Abteilungsleiter und sogar Minister, vor allem im Ministerium für Gefägnisse, um lukrative Kontrakte zu viel zu hohen Beträgen zu bekommen. Angelo Agrizzi, seine rechte Hand, war der Verbindungsmann und lieferte die Geldbeträge und Geschenke ab. Agrizzi bekam scheinbar nun ein schlechtes Gewissen und packte alles im Detail bei der Zondo-Kommission aus. Auch Zuma wird durch die Bosasa-Enthüllungen weiter belastet.

Präsident Ramaphosa wurde unter anderem gewählt um die Korruption auszurotten und hat dies auch bei seiner Staatsrede vor Kurzem wieder bestätigt. Allerdings ist der ANC so durchsetzt mit Korruption, das dies auch Gefolgsleute von Ramaphosa, sogar seine Familie betrifft. Bei konsequentem Durchgreifen würde kaum etwas von der Regierung übrigbleiben. Um an die Macht zu kommen musste Ramaphosa einige Zuma-Gefolgsleute wie den heutigen Vizepräsidenten David Mabuza und den Generalsekretär Ace Magashule auf seine Seite ziehen, obwohl beide hoch korrupt sind.

David Mabuza

Orania: Volk-Staat betoog

Jedes Jahr im Januar schreibt der Präsident der Orania Bewegung, Carel Boshoff, eine richtunggebende Jahresvorausschau mit dem Titel „Volk-Staatbetoog“, eine Art „Staatsrede“ der Orania-Bewegung für 2019. 
Hier eine Zusammenfassung:

Liebe Mitbürger,

2019 beginnt mit viel weniger Optimismus als 2018. Letztes Jahr gab es viel Hoffnung auf die neue ANC-Führung – selbst wenn wir vorsichtig waren. Es war tatsächlich nur ein kurzes Aufflackern von Hoffnung und man schaute ein Jahr später mit Ernüchterung zurück. Die Aufmerksamkeit aller war zunächst auf Präsident Ramaphosa und den Wunsch gerichtet, sich von der Zuma-Ära zu verabschieden, während sich bald herausstellte, dass eine andere Entscheidung derselben Nationalen Konferenz des ANC (auf der er zum ANC-Präsidenten gewählt wurde), viel einschneidender war, nämlich der Beschluss zur entschädigungslosen Enteignung.

Dies ist eine neue Ära die nicht mehr im Zeichen der Versönung, sondern im 
Zeichen der Vergeltung steht und wir müssen uns darauf vorbereiten in unseren Überlegungen und Planungen für 2019. Der ANC lässt sich politisch immer mehr von der radikalen Partei EFF (Economic Freedom Fighters) treiben und der Antrieb zur entschädigungslosen Enteignung ging von diesen aus. Damit endet das Übereinkommen zwischen ANC und Nationalpartei von 1994 als Vertretern von schwarzer Mehrheit und weisser Minderheit, das im Prinzip auf folgendes hinauslief: die Schwarzen bekommen die politische Macht und damit die Kontrolle über die gesammte Verwaltung, die Weissen behalten ihre wirtschaftliche Macht und ihren Wohlstand.

Den Buren und anderen Weissen muss damit klar sein: nichts wird mehr sein wie es war. Auch das gerade von vielen liberalen Weissen wie etwa der ehemaligen Chefin der Demokratischen Allianz (DA), Helen Zille erstrebte Ziel eines friendlichen Miteinanders und eines inklusiven Südafrikanischen Patriotismus ist damit tot. Mehr noch, Südafrika wie wir es kannten als Multi-ethnisches Land was immer auf Ausgleich zwischen den verschiedenen Gruppen bedacht war gibt es nicht mehr, wenn die Regierung sich zum Agenten der Mehrheit macht, die die Minderheit enteignen und entrechten will.

Die zunehmende Spannung und Instrumentalisierung auch von Nichtigkeiten zu Fällen von angeblichem Rassismus zeigt sich am Beispiel einer Hexenjagd in einer Schule in der Provinz Nord-West, wo eine weisse Leherin in aller Unschuld am Tag der Einschulung ein Foto einer Klasse, wo die 3 schwarzen Kinder, die weder Afrikaans noch Englisch, sondern nur Tswana verstanden, aus Gründen des Eingewöhnens für eine kurze Zeit gemeinsam an einen Tisch gesetzt wurden (und später, nachdem die Kinder sich kennengelernt hatten, alle gemischt sassen), auf facebook teilte, um allen neuen Schülern einen schönen ersten Schultag zu wünschen. Sofort witterten Aktivisten Apartheid und wurde die Schule bestürmt und die Lehrerin bedroht, die aus ihrer Wohnung wegen Sicherheitsbedenken in einen anderen Ort flüchten musste. Sie wurde auch sofort vom Kultusminister, ohne das dieser der Sache auf den Grund ging, entlassen (und später, als sich die Sache klärte, wieder eingestellt). Die schwarzen Eltern hielten übrigens zu ihr, weil sie als gute und gerechte Lehrerin bekannt war, aber für Aktivisten von ausserhalb war sie eine Rassistin, die zur Strecke gebracht werden muss.

Die Enteignung ohne Entschädigung, die vor dem Hintergrund zunehmender Aggressivität und Hass gegen die Minderheit stattfindet, geht auch nicht um Land an sich, oder den Willen Schwarzer, Bauern zu werden, es geht um Machtausübung: um der Minderheit ihr letztes verbliebenes Machtmittel, ihren Besitz, zu nehmen.

In wieweit sich der Paradigmenwechsel des Jahres 2018 praktisch auswirkt im Jahr 2019, wo Wahlen sind, wird sich zeigen. Scheinbar ist Land für die meisten Parteien die zentrale Frage, nicht etwa Korruption, wirtschaftlicher Niedergang, Kriminalität, Staatsverfall, kaputte Infrastruktur usw. Da für alles genannte die Regierung verantwortlich ist und es beim besten Willen nicht auf die weisse Minderheit gepackt werden kann, die schon lange nicht mehr regiert, muss nun der Landbesitz der Weissen als Sündenbock herhalten. Dies betrifft auch Orania, was, obwohl wir für uns selber sorgen und wirklich niemanden bedrohen oder benachteiligen, immer wieder auf Twitter zum Hassobjekt wird von Leuten, die noch nie hier waren und keine Vorstellung von Orania haben, aber alles hassen, was irgendwie Afrikaans und/oder weiss ist.

Wir sehen keine Entspannung, auch wenn sich die Wirtschaft wider Erwarten erholen sollte oder die Kriminalität oder Korruption wirkungsvoll bekämpft wird. Ohne ängstlich zu sein, ist es wahrscheinlich ein guter Zeitpunkt, um an Selbstversorgung und Selbstschutz zu denken – eher an Gemeinschaft als an Isolation. Das erneuerte Gemeinschaftsgefühl und die Solidarität der Buren können sich bald als praktisch notwendig erweisen.

Was wir in Südafrika erleben ist ein klassisches Beispiel für das, was der Schriftsteller Nassim Nicholas Taleb als schwarzen Schwan bezeichnet – etwas, woran niemand glaubt, bis es eines Tages eben passiert. In Südafrika haben wir begonnen zu glauben, dass der Kommunismus ein gescheitertes Experiment war und dass ein gesunder Menschenverstand und ein gutes Urteilsvermögen eine Wiederholung unmöglich machen. Die Tatsache, dass die ANC-Regierung, nach 24 Jahren eines mehr oder weniger demokratischen und marktwirtschaftlichen Südafrika, die Enteignung ohne Entschädigung ernsthaft in Betracht zieht, war eigentlich undenkbar – und dann geschah es. Damit hat sich das Spielfeld verändert und wir können nicht länger an den vorher getroffenen Annahmen arbeiten. Wir müssen neue Realitäten berücksichtigen. Wenn wir dies sehen, ist unser strategischer Fokus für 2019 einfach: Die Zeit des Orania-Gedankens ist gekommen; lassen Sie uns den Möglichkeiten und den Anforderungen, die es stellt, gerecht werden. Nichts anderes sonst wird uns retten.

Mit den besten Wünschen

Carel Boshoff 
Präsident der Orania-Bewegung

Carel Boshoff

Annatjie Boshoff verstorben
Die Schwester des Orania-Gründers Carel Boshoff, Annatjie Boshoff, ist am 17. Januar im Alter von 94 Jahren verstorben. Sie war eine der allerersten Orania-Pioniere von 1991 und hatte ein erfülltes Leben gehabt.
Sie wuchs in einer traditionellen Burenfamilie auf einer Farm in den Waterbergen Nord-Transvaals als eines von 13 Geschwistern auf. Sie war schon früh bei SABRA (Südafrikanisches Büro für Rassenangelegenheiten), einer Stiftung die sich für die territoriale Aufteilung und Entwicklung Südafrikas einsetzte, engagiert und arbeitete im Staatsdienst. Kurz nach dem Regierungsantritt von Hendrik Verwoerd wurde sie Privatsekretärin für dessen Frau Betsie und lernte die persönliche Seite des höchsten Staatsamptes kennen. Sie und Betsie Verwoerd wurden auch beste Freundinnen und Annatjie unterstützte Betsie sehr stark nach dem Mord auf Verwoerd 1966. Danach wurde Annatjie wegen ihrer hervorragenden Arbeit von Verwoerds Nachfolger John Vorster als Privatsekretärin für dessen Frau Tienie übernommen. Sie lernte eine ganze Ära von innen kennen und beschrieb dies in mehreren Büchern.
Nach ihrer Pension entschied sie sich aus Idealismus gegen den geruhsamen Lebensabend in einer komfortablen Wohnung in Pretoria und zog ins gerade erst gegründete Buren- Pionierdorf Orania und half beim Aufbau unter harten Bedingungen. Auch Betsie Verwoerd zog ins Haus ihr gegenüber. Annatjie war eine geliebte und gewürdigte Einwohnerin und auf vielen Gebieten engagiert. Sie war nie verheiratet, aber gab ihre Liebe und Güte ihrer Familie, ihren Freunden und der Gemeinschaft.

Annatjie Boshoff mit ihren Brüdern Adam (links) und Carel (rechts, bereits 2011 verstorben

Gannabosprojekt in Rekordzeit gebaut/Neue Grundstücke in Kleingeluk

Das Gannabos-Wohnungsprojekt, welches von der Solidariteit Bewegung in Orania begonnen ist, wächst kräftig weiter. Es ist kein Projekt, was von Spenden finanziert wird, wie zum Beispiel die Soetdoring Sozialwohnungen, sondern durch Investoren. Schon im ersten Jahr konnten Investoren 8% Rendite empfangen und dadurch kam Schwung in die Entwicklung. Dies zeigt sich auch in der Produktion der Bauarbeiter, die an einem einzigen Tag 2753 Steine mauerten. Dies sind keine gewöhnlichen Bausteine, sondern die grösseren und schwereren Maxi-Betonsteine. 
Für mehr Informationen, oder um in Gannabos zu investieren, kann Herr Appie Pienaar unter appie@solidariteit.co.za kontaktiert werden.

Aufgrund eines geringen Angebots an verfügbaren Grundstücken, aber einer großen Nachfrage von Menschen, die einziehen möchten, sind die Immobilienpreise von Orania ziemlich hoch. Um dieses auszugleichen, müssen schnell neue Grundstücke ausgewiesen werden, damit sich der Markt stabilisieren kann. Genau dies tut Orania Gemeindeverwaltung, und viele neue Grundstücke werden derzeit mit den nötigen Anschlüssen ausgestattet, um die Immobilienentwicklung für Investoren zu ermöglichen. Südlich von Kleingeluk werden derzeit unter anderem 30 neue Grundstücke ausgewiesen. Der Bau der Wasser- und Abwasserleitungen gestaltet sich schwierig auf dem steinigen Boden. Die hier geschaffenen Möglichkeiten tragen wesentlich zum Wachstum von Orania bei.


Der Wert der Besichtigungstouren

Orania-Besichtigungstouren sind bereits fester Bestandteil der Dienstleistungen von Orania Bewegung. Mindestens eine Tour pro Tag findet statt, in den Ferienzeiten sogar drei und vier pro Tag.

Die Zahl der Touren und Gäste erreichte ihren Höhepunkt im Jahr 2016 und flachte dann etwas ab, möglicherweise wegen der schlechten Wirtschaftslage, so dass weniger Leute Geld zum reisen hatten. Die Anzahl der Besucher ist jedoch immer noch hoch, jedes Jahr gehen etwa 3.000 Menschen in Orania auf Tour (siehe Diagramm). Dabei sind die zahlreichen Besucher, die nicht auf Tour gehen oder nur kurz halten gar nicht miteingerechnet.

Ziel der Orania-Dorfführung ist es, die Besucher mit dem Ort Orania und insbesondere mit Orania als Buren-Niederlassung bekannt zu machen. 
Die verschiedenen Aspekte von Orania werden dabei hervorgehoben:

• Die Wirtschaft in ihrer Vielfalt (Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen, Geschäfte, Tourismus) 
• Institutionen, die die Stadt verwalten und ausbauen (Orania-Bewegung, Gemeindeverwaltung) 
• Ausbildung und Schulung 
• Kultur und Erbe (Museen, Archive, Denkmäler, Friedhof) 
• Entspannung und Sport 
• Sozialprojekte 
• Architektur und Gebäudetypen

Das Feedback der Besucher ist überwiegend positiv. Typische Kommentare sind, dass Orania viel größer ist als erwartet, dass viele Aktivitäten im Gange sind, dass es sehr sicher aussieht, dass Kinder auf den Straßen laufen, Radfahren und spielen können (was leider in Südafrika die ganz grosse Ausnahme ist), das nirgendwo Abfälle herumliegen usw. Das Verwoerdmuseum ist vor allem für Ältere ein nostalgischer Zurückblick in ihre Jugendzeit. Es wird oft gesagt, dass Orania die Menschen an ihre Kinderzeit erinnert, dass es ein Stück der Ersten Welt ist und dass es ihnen die Augen öffnet.

Während in der Vergangenheit Orania vor allem aus Neugierde besucht wurde (freak factor), sind es nun immer mehr Menschen, die eine Umsiedlung in Betracht ziehen.

Anzahl der Personen pro Monat, die Besichtungstouren mitmachen.

Die ersten Berufsschüler kommen in Orania an

Orania wird zunehmend zu einem Zentrum für Unterricht und Ausbildung unter Buren. Mit zunehmendem Druck auf staatliche Unterrichts- und Ausbildungsinstanzen, müssen wir selbst die Ärmel hochkrempeln und Alternativen aufbauen, in Afrikaans. Das Bo-Karoo Ausbildungszentrum (Berufsschule BKO) nahm vor kurzem einen grossen Schritt mit der ersten Einnamhe von langfristigen Studenten von ausserhalb. Bisher wurden nur Handwerker aus Orania weitergebildet.

Die erste Gruppe Abiturienten aus verschiedenen Landesteilen schrieben sich am 21 Januar für ihre Berufsausbildung in Bauwesen ein. Der Kurs, den die Studenten besuchen werden, ist ein akkreditiertes nationales Diplom. Danach erhalten die Studenten ein „rotes Siegel“ Diplom im Bauwesen. BKO hofft, später in diesem Jahr mit dem Training für Pflegekräfte sowie verschiedenen anderen technischen Berufen beginnen zu können.

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