Rückblick Südafrika 2017 – 277 Angriffe mit 55 Toten in 1. Halbjahr

Deutscher Infobrief der Orania Bewegung.

Juli/August 2017

Südafrika: Präsident Zuma übersteht noch ein Misstrauensvotum.

Am 8. August fand das mit Spannung erwartete Misstrauensvotum über Präsident Zuma statt. Es war bereits das achte Misstrauensvotum in den letzten Monaten und es ging auch diesmal darum, das Zuma wegen seiner direkten Verstrickung in ein Netzwerk der Korruption nicht länger als Präsident tragbar sei. Das sogenannte Guptagate, benannt nach der Indischen Guptafamilie, die Zuma massive Zahlungen zukommen lassen im Tausch für Einflussnahme auf die Politik, hält Südafrika schon lange in Atem und ständig werden neue Skandale offenbar gemacht.

Das Misstrauensvotum hatte diesmal gute Chancen auf Erfolg, weil die Parlamentspräsidentin, Bhaleka Mbete, kurz davor entschied, eine geheime Abstimmung zuzulassen. Dies bot Zuma-kritischen ANC-Abgeordneten die Möglichkeit, gegen ihn zu stimmen ohne dafür belangt zu werden. Nur sehr wenige, mutige ANC-Abgeordnete hatten vorher offen angekündigt, sich gegen ihren Parteichef und Präsidenten zu stellen, ungeachtet der Konsequenzen. Der Unmut mit Zuma innerhalb der Partei ist allerdings weit verbreitet.

Die Abstimmung ging schlecht aus für Zuma, obwohl er sie knapp überstand. Von den 400 Abgeordneten stimmten weniger als die Hälfte (198) gegen das Mistrauensvotum bzw. für Zuma, und 177 für das Misstrauensvotum und gegen Zuma. 9 Abgeordnete enthielten sich, und 16 waren abwesend. Das Ergebnis zeigt, dass Zuma trotz starker Einpeitschung seiner Getreuen an die Abgeordneten, bloss nicht mit der gehassten Opposition zu stimmen, viele ANC-Abgeordnete ihr Gewissen vor die Loyalität an Partei und Präsident stelten. Der ANC hat eine grosse absolute Mehrheit von 249 Abgeordneten (von 400), aber etwa ein Viertel bis ein Fünftel stehen nicht mehr hinter ihrem Präsidenten. Da es eine geheime Wahl war, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, wer gegen Zuma gestimmt hat, aber gegen einige, die bereits vorher ihre Abneigung gegen Zuma offenkundig gemacht hatten, wie Pravin Gordhan, Trevor Manuel und Makhozi Khoza, findet nun eine Hexenjagd statt. Gegen andere wird Verdacht gesäht.

Zuma wird noch regulär bis 2019 Präsident des Landes sein, wenn seine 2 Amtsperioden vorbei sind. Dezember diesen Jahres findet wieder die Wahl zum Vorsitzenden des ANC statt und Zuma hat angedeutet, das er nach 2 Amtsperioden als ANC-Vorsitzender abtreten will. Zur Zeit sind der Vize-Präsidenten Cyril Ramaphosa und Zuma’s Ex-Frau und ehemalige Aussen- Gesundheits- und Innenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma die Favoriten. Ersterer gilt als vorsichtig Zuma-kritisch, letztere als loyal an Zuma und seine Clique. Wie Zuma ist sie auch Teil des Zuluvolkes, des grössten Volkes in Südafrika, was eine Rolle bei der Unterstützung spielt. Es besteht die Möglichkeit, das der neue ANC-Vorsitzende Zuma als Präsident des Landes zum Rücktritt zwingen kann, wie es mit seinem Vorgänger Thabo Mbeki der Fall war.

Südafrika: Wieder ein Wochenende des Schreckens.

Fast jedes Wochende gibt es in Südafrika Angriffe und Morde auf weisse Farmer. Das vergangene Wochenende war wieder besonders schlimm, mit 4 Todesopfern. Es geht auch in der Woche weiter. Die Opfer sind meistens alte, wehrlose Leute, die von Banden von 3 oder mehr Angreifern ueberfallen werden. Von Jahr zu Jahr wird das Morden mehr. Allein im August, der noch nicht einmal ganz vorbei ist, gag es 23 Farmangriffe mit 6 Toten. Seit Anfang des Jahres gab es schon 277 Angriffe mit 55 Toten. Die Regierung äuessert sich grundsätzlich nicht zu Morden auf Weisse, oder nur sehr indirekt und probiert dies dann zu relativieren. Die Polizei ist oft uneffektiv in der Bekämpfung der Gewalt.

Die kurzfristige Antwort ist, das so viel wie möglich Farmbewohner bei örtlichen, privaten Sicherheitsdiensten mitmachen. Die Organisation Afriforum koordiniert viele davon, ebenso die Farmerverbände. Das blinde Vertrauen auf den Staat und seine Sicherheitsstrukturen, oder die Überzeugung, das gute Verhältnisse mit den Farmarbeitern einen schützen, ist noch immer bei vielen Farmern verwurzelt.

Die langfristige Antwort ist die Konzentration von weissen Afrikanern in einem bestimmten geographischen Gebiet, und eigene Arbeit, so wie es in Orania getan wird. Orania hat auch seine eigenen Sicherheitsstrukturen und hilft auch bei der Bekämpfung von Kriminalität in Dörfern der Umgebung. Obwohl die Umgebung von Orania eine der sichersten in Südafrika ist, mit sehr geringer Bevölkerungsdichte und wenig Spannungen, muss man auch hier parat sein.

Orania: Taalweek (Afrikaanse Sprachenwoche)

Orania feiert am 14. August Taaldag, den Feiertag der Sprache Afrikaans. An diesem Tag im Jahr 1875 wurde die Genootskap van Regte Afrikaners (der Verein wahrer Afrikaaner) in Paarl gegründet mit dem Ziel, Afrikaans, was damals noch eine “Küchensprache” war, offiziel anzuerkennen und als vollwertige Sprache zu entwickeln. Die sogenannten Niederländer in Südafrika sprachen schon lange kein Niederländisch mehr und hatten auch kuturell kaum etwas mit dem Land ihrer Vorfahren zu tun. Die Entwicklung von Afrikaans führte zur vollständigen Vereinheimischung der Afrikaaner und zur noch stärkeren Identifikation mit Afrika als Heimat.

Orania feiert jährlich den 14. August als Tag von Afrikaans, aber dieses Jahr gab es eine ganze Taalweek (Sprachenwoche), wo jeden Tag Kunst und Kultur in Afrikaans präsentiert wurden. Es gab Filmvorführungen von alten und neuen Afrikaansen Filmen, Musikdarbietungen von klassischer und populärer Musik, Chor und individueller Gesang mit Gitarrenbegleitung, Volkstanzdarbietungen, Dichterlesungen, Theateraufführungen und Wettbewerbe.

Orania: zwei wichtige Besuche

Orania ist nicht nur in Kontakt mit seinen Freunden und Unterstützern, sondern auch mit Kritikern und potenziellen Gegnern. Die Orania Bewegung spielt dabei eine besondere Rolle. Vor kurzem gab es 2 wichtige Besuche in dieser Hinsicht.

Einer war vom Ministerium für Kunst und Kultur, welches „work shops“ anbietet zum Zweck des “nation building” und der besseren Zusammenarbeit unter Südafrikas Rassen und Völkern. Oranias Einwohner die den „work shop“ beiwohnten, konnten sich und ihre Gemeinschaft präsentieren als gute Gastgeber und als interessierte und gebildete Gesprächspartner. Oranias Haltung wurde deutlich als die Delegation des Ministeriums die Nationalhymne Südafrikas (Nkosi Sikele iAfrika) und das Lied der Afrikanischen Union spielte und sang. Die Oranier standen aus Respekt auf, sangen aber nicht mit, da sie sich damit nicht identifizieren konnten. Die Standpunkte Orania’s, das Südafrika und Afrika in erster Linie aus Völkern, Stämmen und Gemeinschaften besteht und das “nation building” viel von deren Kultur und Einzigartigkeit zerstört und Konflikt geschaffen hat, konnte herübergebracht werden. Auch in der anschliessenden Diskussion konnte Orania seine Sichtweise gut mitteilen und Respekt und Verständnis von den Abgesanten des Ministerium bekommen.

Ein etwas schwierigerer Besuch war der von einer Delegation des sozialistischen Gewerkschaftsverbundes COSATU (Congress of South African Trade Unions), der traditionell eng mit dem ANC verbunden ist. COSATU in der Provinz Nord-Kap hatte, nach Berichten in den Medien das Orania eine eigene elektronische Währung einführen will, aggressiv reagiert und dies als Angriff auf Südafrikas Souveränität kritisiert. Die Orania Bewegung reagierte prompt und lud eine Delegation unter Führung des Vorsitzenden der Provinz zu einem klärenden Gespräch nach Orania ein. Die Orania Bewegung Delegation unter Leitung von Carel Boshoff wies darauf hin, das der Ora der lokalen Wirtschaft helfe und keine eigene Währung, sondern lediglich ein lokales Bezahlungsmittel sei, das in Orania viel zur Armutsbekämpfung getan würde und das Orania eine kulturell definierte, selbständige Gemeinschaft sei die in jeder Hinsicht aufbauend ist und gerne mit Gemeinschaften die ein ähnliches Streben haben, zusammenarbeiten wolle. COSATU zeigte sich zufrieden und sogar beeindruckt und ging mit einem viel positiveren Bild von Orania weg, obwohl wesentliche ideologische Unterschiede natürlich bestehen bleiben.

 

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