Südafrika: kaum Hoffnung auf eine Änderung des Status quo

Deutscher Infobrief der Orania Bewegung. Anfang Oktober 2018

Seit 1994 regiert der African National Congress (ANC) mit satter absoluter Mehrheit (über 60%) im Nationalen Parlament, in 8 der 9 Provinzen und in etwa 80% der Städte und Gemeinden. Die Opposition ist zersplittert in -zig kleine Parteien, aber die grösste unter ihnen, die Demokratische Allianz (DA), die um die 20% liegt, weckt mit jeder Wahl die Hoffnung, sie könnte, wenn sich alle hinter ihr vereinigen, den ANC unter 50% drücken.

Bei den bisherigen Wahlen verschoben sich die Machtverhältnisse hauptsächlich innerhalb der Opposition und der ANC blieb der Riese unter Zwergen. Allerdings gab es doch langsame Abwanderungsbewegungen weg vom ANC und die Strategie der DA ist es, um ideologisch so nahe wie möglich an den ANC heranzugehen, um auch viele enttäuschte schwarze Wähler einzusammeln ohne seine weisse und gemischtrassige Stammwählerschaft zu verlieren. Dazu gehörte auch die Wahl eines neuen Chefs, Mmusi Maimane, ein ehemaliges ANC-Mitglied.

Diese Strategie ging teilweise auf, gerade bei den letzten Kommunalwahlen 2016, wo gerade in den Grossstädten eine Wegbewegung vom ANC zur DA und anderen Oppositionsparteien stattfand. Koalitionsregierungen unter Führung der DA konnten Johannesburg, Pretoria und Port Elizabeth dem ANC abnehmen und ihre Mehrheit in Kapstadt, das die DA schon lange regiert, erhöhen. Das wurde als Morgenröte eines Südafrikas gesehen, das aus der Dauerherrschaft des ANC mittels Koalitionsregierungen ausbrechen würde. Man wähnte sich schon fast in Europa mit seinen Koalitionsregierungen und häufigen Machtwecheln. Die Kommentatoren frohlockten.

Das Problem dabei ist, das alle Koalitionsregierungen in den eroberten Metropolen (ausser in Kapstadt) von einer Tolerierung durch die linksradikale schwarze Partei Economic Freedom Fighters (EFF) abhängig sind. Die EFF, eine Linksabspaltung des ANC, ist zwar ideologisch weit entfernt von der DA, wollte aber dem ANC (vor allem wegen perönlicher Animositäten zwischen ANC-Präsident Zuma und EFF- Führer Malema) schädigen.

Seit Anfang des Jahres hat sich wieder alles geändert und ist die Hoffnung verflogen. Die EFF nahm es der DA übel, das sie nicht einen gemeinsamen Antrag von ANC und EFF zur entschädigungslosen Enteignung weisser Farmer mittrug und rächte sich in den Metropolen: die gut geführte Stadtregierung von Port Elizabeth wurde beendet durch eine anti-DA Koalition, in Pretoria droht das Gleiche. Die DA ist unterdessen in ihrer Hochburg Kapstadt seit Monaten mit internen Streitigkeiten über die Ablösung und Anklage ihrer eigenen Bürgermeisterin wegen Korruption beschäftigt, was kein gutes Bild abgibt und wodurch die Partei ihre Aura der Unfehlbarkeit verliert. Auch Maimane ist nicht der Star, den man sich erträumt hat und seine Äusserungen unterscheiden sich kaum von denen des ANC.

Seit der neue ANC-Präsident Ramaphosa mit viel Vorschusslorbeeren im Amt ist, scheint der ANC wieder seine Anhänger zu mobilisieren und der Traum einer neuen, gemässigteren Regierung nach den Wahlen im nächsten Jahr scheint ausgeträumt. Ideologisch und auch persönlich kommen sich ANC und EFF wieder näher, gerade über das grosse Thema Enteignung ohne Entschädigung. Sollte der ANC bei der nächsten Wahl unter 50% rutschen, ist eine Koalition mit der EFF wahrscheinlicher als eine anti-ANC Koalition unter Führung der DA.

Fazit: Politik in Afrika funktioniert nicht nach der Westlichen Spielart. Minderheiten wie die Buren lassen sich von der DA als Stimmvieh missbrauchen mit der Fata Morgana eines Machtwechsels. Konzentration in einem Gebiet und territoriale Selbstbestimmung sind die Lösung.

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Südafrika: hat politischer Druck Wirkung gezeigt?

In der zeitweise sehr hitzigen Debatte über die Enteignung ohne Entschädigung herrscht momentan eine gewisse Stille, die für Wahrnehmer ausserhalb des ANC-Politbüros nicht ganz eindeutig einzuordnen ist. Man kann nur ein paar Vermutungen anstellen.

Die Präsentationen an die Parlamentarische Kommission, die die Grundgesetzänderung untersuchen soll, sind gemacht, wie auch Orania hat seine Präsentation gemacht. Nun ist ein 12 köpfiges Expertengremium angewiesen worden, die Regierung in der Sache zu beraten.

Es scheint, als ob der Druck auf den ANC doch Wirkung gezeigt hat. In weit und weswegen, ist schwer abzuschätzen. Die kritische Bemerkung von Präsident Donald Trump über Twitter zu Farmermorden und Enteignungen hat den ANC ziemlich verärgert (siehe video) und Präsident Ramaphosa hat vor kurzem bei den Vereinigten Nationen in einem Interview mit Bloomberg News die ungeheurliche Aussage gemacht, das es keine Farmermorde und auch keine illegalen Landbesetzungen in Südafrika gäbe und Präsident Trump falsch informiert sei (siehe Artikel und Video von Daily Telegraph).

Das der ANC sich allerdings trotz seiner zur Schau gestellten Selbstsicherheit und moralischen Hochmut sich über die Möglichkeit eines amerikanischen Boykotts sorgt, kann angenommen werden. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, das der ANC als Partei beziehungsweise sogenannte Befreiungsbewegung aus der kommunistischen Ideologie kommt und das seine oft zitierte „Nationale Demokratische Revolution“ kaum andere Ziele verfolgt als jede kommunistische Revolution, nämlich eine völlige Umkehrung der Besitzverhältnisse unter der Leitung der Partei des Proletariats.

Es gibt allerdings auch die Vermutung, das hinter den Kulissen der Einheitsfront ein heftiger Streit im ANC über das Thema Enteignungen speziell und im weiteren Sinne über die Rassenpolarisierung herrscht. Ex-Präsident Mbeki, der über seine Stiftung Einfluss hat und als Intellektueller angesehen wird, hat sich wieder zur Wort gemeldet und an das eigentliche, nicht-rassisische Erbe des ANC erinnert und das eine Spaltung des Landes in weiss und schwarz genau das war, was der ANC überwinden wollte.

Im ANC gibt es nach wie vor 2 Strömungen, die Afrikanisten, die vereinfacht alles in Rassentermen sehen, und die Sozialisten, die alles wirtschaftlich und in Klassen aufgeteilt sehen. Auch wenn beides aus unserer Sicht falsche Ideologien sind und zwei Übel, kann man wahrscheinlich noch eher mit den Sozialisten reden, da für sie arm und reich nicht mehr deckungsgleich mit schwarz und weiss ist, wie es die Afrikanisten behaupten. Mit Orania, was ein paar kollektive und sozialstaatliche Elemente hat, haben die Sozialisten damit ein geringeres Problem als die Afrikanisten, die den Weissen in Südafrika das Existenzrecht absprechen.

Der interne Kampf im ANC, auch Versuche der Zuma-Anhänger, Ramaphosa zu untergraben, haben wohl erstmal den Fokus von den Enteignungen abgeleitet. Auch ein Gerichtsurteil, das den speziellen Fall der Enteignung zweier Farmen in der Provinz Limpopo (ehemals Nord-Transvaal) wegen formeller Fehler für ungesetzlich erklärte, haben den Prozess erstmal wieder verlangsamt. Die Bereitschaft der Farmerverbände, mit der Regierung eine Lösung zu finden, haben die Polarisierung etwas gemindert, aber es ist höchstens etwas Zeit gekauft, die Enteignungspläne werden nicht aufgehoben.

Bedenklich ist allerdings die Hinwendung zu China, das immer mehr zur beherrschenden ausländischen Macht überall in Afrika und speziell in Südafrika wird. Anders als den Westen kümmern Menschenrechtsverletzungen China nicht, weshalb das Land auch so ein beliebter Handelspartner in der Dritten Welt ist. Es gibt die Vermutung, das einige der enteigneten Farmen China als Zahlung für Kredite gegeben werden sollen. Solches ist in Zimbabwe passiert und es ist auffällig, wie viele der Farmen, die die Regierung in der ersten „Testrunde“ enteignen wil, sich in rohstoffreichen Gebieten befinden. China ist scheinbar dabei, eine Stadt für Chinesen in der Provinz Limpopo zu bauen. Ähnliches ist in Angola passiert.

https://www.youtube.com/watch?v=Tr3M5ZSIIuQ

https://www.timeslive.co.za/news/south-africa/2018-09-27-watch–theres-no-land-grab-in-sa–ramaphosa-lambasted-over-farm-murder-lie/

Ramaphosa trump

Orania: eine Woche Karnaval

Orania’s jährlicher Karnaval, der normalerweise im April stattfand, ist dieses Jahr im Oktober. Der Grund ist das Wetter. Oktober ist der wohl schönste Monat, vergleichbar mit dem Europäischen Monat Mai, wo es warm ist aber noch nicht zu heiss. April ist oft schon recht kalt und auch der regenreichste Monat.

Der Karnaval ist ein jährlicher Höhepunkt in Orania und die Gäste kommen aus ganz Südafrika, um an diesem Fest teilzunehmen und Spaß zu haben. In diesem Jahr werden mehr Aktivitäten stattfinden, mit einem noch längeren und volleren Programm als in der Vergangenheit. Diesmal ist der Karnaval eine Woche lang. Am letzten Septemberwochenende gab es das Brauer- und Brennerfest bei Stokkiesdraai, eine Art Freizeitpark in Orania. Bierbrauer und Schnapsbrenner aus Orania, aber auch aus anderen Teilen des Landes stellten ihre Produkte zum Verkosten aus, und natürlich gab es Musik und gutes Essen und viel Geselligkeit.

Die ganze Woche ist voller Gelegenheiten: Ein Gitarrenduo, ein Nachtmarsch mit Neon-Kleidung, eine Kindershow, Theatervorstellungen, Konzerte und mehr. Beim Festplatz sind auch wieder zahlreiche Stände und Wettbewerbe.

Karnaval

Orania Bewegung mit neuer Identität. Orania Bildband nun zu kaufen.

Am 9. Oktober wird das neue Emblem der Orania Bewegung bekannt gegeben. Das Emblem der Orania Bewegung wurde neu gestaltet und leicht umgeändert, ohne die ursprüngliche Symbolik einer fruchtbaren und wachsenden Idee zu verändern. Auch die neue Webseite wird an diesem Tag vorgestellt.

Zusammen mit der Bekanntmachung des neuen Emblem und der neuen Webseite wird auch ein neuer Bildband zu Orania publiziert („Orania-ons plek“), der von der Orania Bewegung herausgegeben ist, mit verschiedenen Themen zu Orania, wie die Geschichte, Architektur, Wirtschaft, Politik, Menschen, Klima usw, alles reichlich mit Kunstfotos bebildert.

Dieser hochwertige Bildband kostet R195 (plus R100 Postgeld für Versendung ins Ausland) und kann bestellt werden bei Melissa Coetzee, melissa@orania.co.za.

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Orania: Volkskool geht wieder auf Reisen

Volkskool Orania unternimmt ab 2016 jährlich eine „Tourismustour“, an der die Schüler der 10. und 11. Klasse, die sich für Tourismus interessieren, teilnehmen. Die Tour soll den Schülern die Möglichkeit geben, Tourismus in der Praxis zu erleben. Spendensammlungsprojekte für die Tour wurden von der Schule seit Anfang des Jahren angegangen, und die Schüler beteiligten sich auch an der Tourenplanung, indem sie sich über die Ziele schlau machten.

In diesem Jahr konnten die Kinder eine Zugfahrt mit dem Transkaroo (neuer Name Shosholoza Meyl) und mit Kapstadt als Ziel erleben, eine der klassischen Bahnreisen der Welt.

Sie sind in Matjiesfontein abgestiegen und haben das Museumsdorf gründlich erforscht, mit Hilfe des äußerst unterhaltsamen Reiseführers Johny und eines Londoner Doppeldeckerbus. Sie konnten sogar das Spukhaus besuchen und den Abend mit Afrikaansen Liedern im historischen Lord Milner Hotel fröhlich ausklingen lassen. Der Rest der Tour beinhaltete Strandspaziergänge mit den Pinguinen von Stony Point, Kapstadt wurde erkundet, es gab eine Hafenrundfahrt und auch eine Riesenradfahrt an der Waterfront. Die Tour war ein großer Erfolg und enge Freundschaften wurden gefestigt.

Volkskooltoer

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